Rezension zu „Der Altmann ist tot“ von Frl. Krise und Frau Freitag

978-3-499-25111-5.jpg.631746Genre:     (humorvoller) Krimi
Seiten:     303
ISBN:       978-3499251115
Verlag:    rororo/ rowohlt

„Kurzbeschreibung“:

Pflichtlektüre!

«Setzt euch alle mal hin. Ich muss euch was Wichtiges sagen: Der Altmann ist tot.»
«Wie, tot?», fragt Rosa.
«Na, mausetot. Aus, Ende, finito», antwortet Oszan.
«Herr Fischer hat gesagt, er sei eine Treppe runtergestürzt.»
«Wie, Treppe? Welche Treppe?», fragt Rosa, in deren Hirn es offensichtlich mächtig rattert.
«Bestimmt die behinderte Treppe in Haus B. Ich schwöre, die ist voll Todestreppe. Mieses Teil!», sagt Fuat wichtig.
«Unfall … tzzzz», sagt nun Emre. «Das war bestimmt Mord!»

Als wären die Tage an der Berliner Problemschule nicht schon abenteuerlich genug, kommt nun auch noch der Mathelehrer Altmann auf mysteriöse Weise ums Leben. Da stimmt doch was nicht, denken die Kolleginnen Frl. Krise und Frau Freitag: Musiklehrerin Johanna Schirmer postet überraschende Details über ihre Affäre mit ihm, die Cousins einer türkischen Schülerin hatten Rache geschworen, seine sehr junge, sehr schwangere Witwe versteht sich etwas zu gut mit ihrem Powerplate-Trainer, und Schüler Hikmet hat eine Rechnung zu begleichen.
Frl. Krise und Frau Freitag ermitteln – und das alles neben dem ganz alltäglichen Schulwahnsinn.

Mein Leseeindruck:

Schon seit Längerem habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Wie ihr vielleicht wisst, habe ich immer mal einige Zitate aus dem Buch von Frau Freitag zum Besten gegeben und mir hat der locker, flapsige Schreibstil eigentlich gut gefallen. Auch auf den Blogs von Frau Freitag und Frl. Krise habe ich mich einige Male rumgetrieben und seither immer mehr Interesse an Lehrerblogs entwickelt. Als ich dann gesehen habe, dass die beiden gemeinsam einen Krimi rausbringen, in denen die zwei Charaktere ermitteln, musste ich mich sofort darauf stürzen und hatte auch das Glück, in der Leserunde von LB mitmachen und ein Rezensionsexemplar gewinnen zu können.

Nach dem Lesen bin ich nun mittlerweile etwas geteilter Meinung, aber eins nach dem anderem! Der Schreibstil ist immer noch locker, die Sprache salopp, wenn auch nicht immer treffend. Krise und Freitag verfallen des öfteren in Jugendsprache wie „krass“, „echt jetzt“, „hä“, was auf die Dauer ein merkwürdiges Bild hinterlässt, manchmal schon fast gezwungen. Gut gefallen haben mir in der Regel die Erzählungen über den Schulalltag mit den Schülern,

„Meine Klasse ist eigentlich süß. Die holen brav ihre Stifte raus und fangen an zu zeichnen. Wird nicht viel bei rauskommen, na ja, ist auch nicht schlimm, man kann einfach nicht immer so anspruchsvoll sein, dann hält man nicht jahrzehntelang durch und bekommt ein Burnout.“

man kommt sich so vor, als wäre man an eine Schule versetzt mit 100% Ausländeranteil, die Hälfte spricht nur gebrochen deutsch, wenn sie überhaupt mal genug Bock für die Schule haben, und dort machen sie auch nie, was sie sollen. Da hat man es als Lehrer wirklich nicht leicht. Ob es wirklich an manchen Schulen so schlimm ist, kann ich nicht einschätzen, bin da mit meinem Gym und meinen Schülern wohl reichlich verwöhnt!

Gefragt habe ich mich ab und zu, ob die zwei Lehrerinnen bei den ganzen Ermittlungen, dem Rumspionieren und den konspirativen Kaffee-Klatsch bei Onkel Ali überhaupt noch zum unterrichten bzw. zur Unterrichtsvorbereitung kommen, aber das muss man an dieser Schule sowieso relativ sehen. Onkel Ali ist übrigens ein absoluter Knaller, türkischer Berliner oder berlinisierter Türke? Wirklich großartig, obwohl er mir mit den Weibern manchmal ganz schön leid tat!

Ernsthaft gestört haben mich allerdings zwei Dinge: Zum einen der merkwürdig abgehackte Stil (kann das kaum beschreiben), der für kein angenehmes und flüssiges Lesempfinden gesorgt hat. Ich war immer recht froh, wenn ich einen Leseabschnitt „geschafft“ hatte. Zum anderen sind mir die beiden richtig unsymphathisch geworden. Sie wissen alles besser, über jeden Kollegen kann man etwas schlechtes erzählen bzw. sich in irgendeiner Form erheben, die Schüler sind eh alle blöd, faul oder sonstwas, die Lebenspartner werden so eingesetzt, wie man sie gerade brauchte und Onkel Ali wird für die Pläne auch mal richtig ausgenutzt. Witzig, spritzig und sarkastisch sollten Krise und Freitag wirken, aber am Ende war ich dann doch etwas genervt. Und auch wenn eine Fortsetzung angedeutet wird, so werde ich wohl erstmal nix von Frl. Krise und Frau Freitag lesen, da ich am Ende wirklich ein wenig die Nase voll hatte von der ganzen ach so spritzigen Wichtigtuerei.

Der Kriminalfall selbst war originell, auch wenn es mir eher so vorkam, als wäre das lediglich der Aufhänger, um den Humor des Duos weiter zu verbreiten. Aber da muss sich jeder ein Bild machen. Hier noch ein kleines Zitat der beiden Ermittler:

„Wir besichtigen die Mülltonnen, oder was?“

„Mann, Frl. Krise, hast du noch nie <Tatort> gesehen? Wir gucken uns um, und dann finden wir irgendwas, und das tun wir dann in diese Plastiktüte, hier.“

„Hahaha, Alditüte! Im Fernsehen haben die aber immer kleine Gefrierbeutel. Hast du auch so weiße Anzüge dabei?“

„Nee, aber hier, ich habe in der Apotheke diese Gummihandschuhe gekauft. Nicht, das …“

„Das glaube ich jetzt nicht, Frau Freitag! Gummihandschuhe! Eine Taschenlampe wäre vielleicht sinnvoller gewesen! Ist stockdunkel draußen!“

„Scheiße, du hast recht. Eine Taschenlampe wäre gut gewesen…“

3 Geister(3 von 5 Bewertungsgeister haben mit mir bei Frau Freitag und Frl. Krise die Schulbank gedrückt, der Rest hat geschwänzt)

Zu Gast bei Frau Freitag #Part Five

Frau-Freitag-189x300Es ist mal wieder so weit. Frau Freitag hat ein Sabbatjahr gemacht (nein, hat sie natürlich nicht ^^) und wird jetzt wieder öfter aktiv sein. Daher werde ich gar nicht länger um den heißen Brei reden und euch heute mit einem neuen Schmankerl aus dem Leben der Frau Freitag den regnerischen Dienstag versüßen!

Zitat des Tages: Frau Freitag über den Vorteil anderer Berufe

„Ich will in einem Büro arbeiten. Mit Akten. Erst mal Kaffee machen, erst mal E-Mails lesen, erst mal chillen, ach, schon Mittag? Kantine, dann eine Akte bearbeiten, gerne was mit Stempeln, kein direkter Kundenverkehr. Auf keinen Fall telefonieren. Mir die Heiligen Abende der Kollegen anhören: »War schön gewesen, der Kleine war da und Opa hat den Weihnachtsmann gemacht. Es gab Würstchen und Ente und Gans.« Dann wieder eine Akte: stempel, stempel, stempel, dann in die Ablage. Ein wenig über den Kollegen im zweiten Stock herziehen und dann Feierabend. Nach hause kommen, auf die Couch und an gar nichts mehr denken. Und am Dienstag wieder: Erst mal Kaffee machen, erst mal E-Mails lesen – das wäre definitiv mein Paradis. Auch ohne Weintrauben. Oder was total Sinnvolles machen: Bäcker, Arzt oder Klempner …“ (S. 201)

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Ganz ehrlich? Solche Gedanken hege ich auch manchmal, wenn die Woche mal wieder besonders stressig ist und man gerade gar nicht weiß, was hinten und was vorne ist und wann man eigentlich das letzte mal Nahrung zu sich genommen hat. Die Augenringe werden immer unangenehmer und der Frust immer größer. Aber Hand aufs Herz. Genau wie Frau Freitag mag ich doch meinen Beruf – meistens 😉

Zu Gast bei Frau Freitag #Part Four

Die gute Frau Freitag treibt mal wieder ihr Unwesen. Heute soll es um die Ausreden gehen, welche ihre Schülerinnen und Schüler massenhaft zur Verfügung haben. Obwohl es mir langsam so vorkommt, als ob die guten öfter dem Unterricht fernbleiben, als überhaupt zu erscheinen. Mit der Zeit braucht man dann auch keine Ausreden mehr, weil man ja eh nie kommt.
Eine sehr beliebte Entschuldigung, für nahezu jede Gelegenheit, ist das Fasten. Frau Freitag hat eine Klasse mit 98% Migrationshintergrund, was die Kids hemmungslos ausnutzen.

Zitat des Tages: „Über das Fasten“ (S. 86/87)

„Aber die sollen mir mal mit »Ich faste« kommen, dann werde ich ihnen was erzählen. Ich habe mich auf Wikipedia mal schlau gemacht, wie sich das mit den übrigen Verhaltensregeln während der Fastenzeit verhält: »Nach dem Gesetz wird Fasten als Enthaltung von bestimmten Tätigkeiten definiert: Verzehr von irdischen Substanzen und Speisen, sowie Getränken, Rauchen, Geschlechtsverkehr, Trunkenheit und Irssinn.«

  1. Rauchen: Also, wehe dem, der am Montag auf dem Hof beim Rauchen erwischt wird – und mir dann in der nächsten Stunde vorjammert, er könne nicht am Sport teilnehmen, weil er faste.
  2. Trunkenheit: Ich bin verwirrt, Alkohol ist doch gar nicht erlaubt, oder hab ich da was falsch verstanden?
  3. Geschlechtsverkehr und Irrsinn: Nun ja, mit Ersterem habe ich weniger zu tun, aber man soll sich des Irrsinns enthalten! Wunderbar! Das werde ich der 7. Klasse, die ich in der achten und neunten Stunde in Kunst habe, gleich schriftlich geben: »Jungs, Koran sagt: Kein Irrsinn während Fasten!« Weiter heißt es: »Zum Fasten ist jeder Muslim verpflichtet, der in vollem Besitz seiner Geisteskräfte, volljährig und körperlich dazu imstande ist. Das Fasten eines Minderjährigen mit Unterscheidungsvermögen ist ebenfalls gültig.« Ah, da haben wir es! Meine Schüler sind gar nicht dazu verpflichtet zu fasten: Kein einziger befindet sich im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte.“

Zu Gast bei Frau Freitag #Part Three

Ich bin zwar noch nicht wieder zu Hause, aber man kann ja auch aus der Ferne bloggen. Heute habe ich eine NICHT ernstgemeinte Aufschlüsselung über Mitarbeitsnoten. Nun ja, solche Lehrer gibt es auf jeden Fall, daher konnte es auch einen Weg zu Frau Freitag finden, aber der pflichtbewusste Lehrer von heute (z.B. ich) vergibt die Noten natürlich wesentlich transparenter (was echt nervtötend und zeitaufwendig ist). Wer nicht schlampt, muss die Noten nicht auf den letzten Drücker vergeben, sondern kann entspannt seine Noten in die Hefte eintragen, während andere kurz vor den Ferien noch massenhaft Klassenarbeiten und Tests schreiben und sich dann aus Notenmangel ebend Mitarbeitsnoten „ausdenken“.
By the way: wehe dann wird ein Schüler krank und hat im Halbjahr nur eine kleine Testnote. Dann ist was los. Schüler sollten grundsätzlich die 2 Wochen vor Notenschluss NIEMALS krank werden dürfen ^^

Zitat des Tages: Über Mitarbeitsnoten“ (S. 53/54)

„Ganz am Anfang meiner Karriere kam es vor, dass ich am Ende eines Schuljahres zu wenig Einzelnoten hatte, deshalb gibt es bei mir jetzt pro Stunde mindestens eine, meistens aber wesentlich mehr Noten zu ergattern. Die mache ich im Bus, andere lesen, ich schreibe Mitarbeitsnoten in Zensurenhefte:
»War super, unglaublich, noch nie gesehen« = 1
»War auch super und toll, aber du hast Pech, dass der Soundso in deinem Kurs ist, und der ist besser« = 2
»Ach, was soll’s. du bemühst dich, bist immer pünktlich und nett, und manchmal sagst du auch was Richtiges« = 3
»Tur mir leid, von dem Fach hast du so gar keine Peilung, aber wenn ich dir jetzt eine Fünf gebe, muss ich am Ende noch Förderpläne schreiben, oder noch schlimmer: DU bleibst sitzen und kommst dann in meine Klasse, das muss verhindert werden« = 4
»Keine Ahnung haben und dann auch noch frech werden. Ständig zu spät, ohne Arbeitsmaterial und immer störende Bemerkungen, alles Schriftliche ein Griff ins Klo, dazu noch eine total schlechte Handschrift und die Blätter grundsätzlich zerknittert« = 5
»Stand zwar auf meiner Kursliste, kam aber nie, oder: Kam ab und zu und hat es dann gewagt, sich richtig doll mit mir anzulegen« = 6
Ich bin ja Schülerschleimer, ich gebe eigentlich keine Sechsen, nur den Karteileichen. Wer nett lächelt, bekommt bei mir schon eine Vier. Wer dazu noch gut aussieht und mir Komplimente macht, der kann sich schon über eine Drei freuen. So einfach ist das.“

Zu Gast bei Frau Freitag #Part two

Heute noch schnell ein weiteres Zitat, bin nämlich schon mit dem halben Fuß zur Türe raus; 3-Tages-Tripp nach Leipzig. Werde daher noch schnell was von der Frau Freitag zum besten geben (hach, ich liebe sie, aber manchmal frage ich mich auch ein wenig…) und dann verabschiede ich mich bis Mittwochabend!

Zitat des Tages: „Über den schönsten Beruf der Welt“ (S. 8)

„Ich bin Lehrerin und bedauere jeden, der nicht Lehrerin sein kann. Früher, als ich noch studierte, bin ich abends tanzen gegangen oder auf Partys, immer in der Hoffnung, dass etwas Großes, etwas Außergewöhnliches passieren wird. Und obwohl eigentlich selten etwas Außergewöhnliches geschah, stand ich jeden Freitagabend wieder im Badezimmer und bereitete mich auf das Wochenende vor.
Das brauche ich jetzt nicht mehr. Die Wochenenden verbringe ich horizontal auf meiner Couch und bin froh, wenn die Filme im Fernsehen möglichst ereignislos und vorhersehbar sind. Diskos und Wochenendtrips gibt es für mich nicht mehr. Partys sage ich regelmäßig ab, denn mein Bedarf an Action ist am Freitagnachmittag gedeckt. Ich bin Lehrerin, und ich kann nur jedem, der sich nach Action-Alltag sehnt, raten, in der Schule zu arbeiten.“

Ja, so fühle ich mich auch am Freitag. Deshalb mache ich da meistens auch erstmal 15 bis 22 Uhr Mittagsschlaf. ABER: „Weggehen“ kann man ja in den Ferien – und das werde ich natürlich ausgiebig ausnutzen!

Zu Gast bei Frau Freitag #Part One

chill-mal-frau-freitagQuell meiner Freude ist seit einigen Tagen „Chill mal, Frau Freitag“ von Frau Freitag. Frau Freitag ist Klassenlehrerin einer überdrehten und recht leistungsschwachen 9. Klasse in einer deutschen Großstadt. Ihr Alltag ist absurd-komische Realsatire; verrückt, anrührend und lustig, wie es der Klappentext verspricht. Da ich aller 2-3 Seiten ein wundervolles Zitat entdecke, was mir aus der Seele spricht und den Lehreralltag wunderbar zur Geltung bringt, manchmal aber auch karikiert, möchte ich euch das natürlich nicht vorenthalten bzw. ich MUSS es loswerden.

Zitat des Tages: „Über das pädagogische Händchen“ (S. 48/9)

„Die Schüler benehmen sich, wie sie wollen – meistens total daneben -, und unsereins: immer schön pädagogisch. Das heißt, immer das Richtige sagen. »Nicht mit dem Stock spielen, das kann ins Auge gehen, bitte die Stühle anheben, schlag die Tür nicht so doll zu, die geht sonst kaputt, und die war ganz schön teuer, nimm bitte den Kaugummi raus, sonst verstehe ich dich nicht, und wenn du so laut und mit offenem Mund kaust, sieht das nicht schön aus, du sollst das von der Tafel abschreiben, weil sich das dann besser einprägt, wenn du es einmal selbst geschrieben hast, wenn ich dich jetzt aufs Klo gehen lasse, dann muss ich ja alle gehen lassen, sonst wäre das ja ungerecht, erinnerst du bitte deinen Vater daran, dass ich ihn sprechen möchte, ich darf euch aus versicherungstechnischen Gründen nicht vor dem Klingeln gehen lassen, wenn ihr hier eure Böreks esst, dann werden die Tische fettig, und du willst doch wohl auch nicht deinen Hefter in einen Fettfleck legen, lass ihn bitte los, du möchtest das doch auch nicht, ja, ja, Spaß, für ihn sieht das aber nicht nach Spaß aus, bitte, sag nicht so was, du kennst seine Mutter doch gar nicht…«“

By the way: die ganzen Sprüche könnten durchaus alle innerhalb von 45 Minuten fallen. Soll noch mal einer sagen, die Lehrer hätten zu viel frei und zu wenig zu tun. Aber machen will es keiner. Die ewigen Meckerfritzen sollen mal versuchen, sich 7 Stunden vor 20-30 Schülerinnen und Schüler zu stellen und ihnen was von Geschichte, Mathe oder Physik zu erzählen. Die sind hellauf begeistert, sitzen jeweils 45 Minuten still und gucken mit strahlenden Augen zur Tafel und sind dankbar dafür, dass sie an dem vielfältigen Bildungsangebot teilhaben dürfen. Denkste!