Rezension zu „Frevel im Beinhaus“ von Petra Schier

Genre:           Historischer Roman, Historischer Krimi Seiten:           352 Verlag:           Rowohlt Taschenbuch Verlag ISBN:            978-3499254376 Preis:              8,99€ Leseprobe:  *click* … Weiterlesen

Rezension zu „Flavia de Luce – (1) Mord im Gurkenbeet“ von Alan Bradley

„Er nippte an seinem Tee und pustete, um ihn abzukühlen.

Während er trank, fiel mir der Grund ein, weshalb wir Engländer uns eher vom Tee als vom Buckingham Palace oder dem Parlament Seiner Majestät regieren lassen. Abgesehen von der Seele ist das Teekochen das Einzige, was unsereinen vom Menschenaffen unterscheidet. So hatte es jedenfalls der Vikar einmal meinem Vater gegenübner ausgedrückt, der es Feely weitererzählt hatte, die es wiederum Daffy weitererzählt hatte und die wiederum mir.“

Cover Flavia de LuceGenre:     Krimi
Seiten:     400
ISBN:       978-3442376247
Verlag:    Blanvalet

Kurzbeschreibung:

Die junge Flavia de Luce staunt nicht schlecht, als sie im ersten Morgenlicht eine Leiche im Garten entdeckt – ausgerechnet im Gurkenbeet! Jeder hält ihren Vater für den Mörder, denn Colonel de Luce hat sich noch tags zuvor mit dem Verblichenen gestritten. Nur ein einziger Mensch glaubt felsenfest an die Unschuld des Colonels – seine naseweise Tochter Flavia. Schließlich ist der Ermordete vergiftet worden, und ganz im Gegensatz zu Flavia, die eine begnadete Giftmischerin ist, hat ihr Vater nie Interesse an der Chemie des Todes gezeigt. Also fragt Flavia in vermeintlich kindlicher Unschuld sämtlichen Zeugen Löcher in den Bauch. Hartnäckig folgt sie jeder noch so abwegigen Spur – bis sie einsehen muss, dass ihr Vater tatsächlich ein dunkles Geheimnis hütet. Und so befürchtet Flavia, dass sie vielleicht eine zu gute Detektivin ist…

Mein Leseeindruck:

Flavia 1 und 2 liegen schon seit 1,5 Jahren bei mir herum, habe Teil 1 auch schon einmal verschenkt (ich wusste vom Hörbuch her, dass es gut ist), es wurde dankend gelesen und auch alle weiteren Teile gekauft. Nur bei mir staubten die Bücher ein. Als ich eine freiwillige Leserunde bei LB dazu entdeckte, musste ich gleich die Chance ergreifen und habe mich endlich ans Werk gemacht. Mittlerweile lese ich auch schon Band 2, ich bin also nach wie vor überzeugt 😉

Aber direkt zum Buch: der Schreibstil ist weder 100% locker, aber auch nicht zu steif. Ich kann ihn schwer beschreiben, nur so viel, dass ich das Buch doch öfter weggelegt habe. Das macht das Buch aber deswegen nicht schlechter. Man ist nur nach den ganzen Jugendbüchern gewöhnt, dass der Text entweder fluffig leicht vor sich hin schwebt oder vor Spannung davonströmt. Lasst euch davon aber nicht abschrecken, das ist nur so eine Leseempfindung von mir.

Ganz großartig gestaltet ist der englische Landflair von 1950, alles ist noch etwas verstaubt und ich liiieebe das alte Herrenhaus. Flavia hat einen eigenen Chemieflügel, mit Bibliothek, Labor und allem Drum und Dran und kann dort ungehindert ihren Experimenten nachgehen (sie ist 11!). Dabei ist die gute Flavia kratzbürstig, sarkastisch, listig, geschickt, witzig und vor allem sozial recht unbequem –> ich liebe sie!

„Einmal, als ich ungefähr neun war, führte ich ein Tagebuch darüber, wie es war, eine de Luce zu sein, oder zumindest diese eine besondere de Luce. Ich dachte viel darüber nach, wie ich mich dabei fühlte und kam schließlich zu dem Schluss, dass Flavia de Luce zu sein in etwa so war wie ein Sublimat zu sein: wie der schwarze kristalline Rest, den die violetten Joddämpfe auf dem kalten Glas eines Reagenzglases zurücklassen. Damals hielt ich das für eine perfekte Beschreibung, und während der vergangenen zwei Jahre ist nichts passiert, was mich dazu gebracht hätte, meine Meinung zu ändern!“

Nur manchmal wird man ein wenig von den ganzen chemischen Formeln und lateinischen Namen erdrückt, da darf man aber nicht anfangen alles nachzuschlagen (aber man kann). Nicht irritieren lassen und schmunzelnd weiterlesen!

Alles in allem ein großartiger und witziger Krimi mit einer guten Ladung schwarzen Humor und Skurilität. Kann ich wirklich nur jedem ganz nah ans Herz legen!

5 Geister

(5 von 5 Bewertungsgeister haben mitgefiebert und lesen nun mit mir Band 2!)

Rezension zu „Flaschendrehen Furioso“ von John Friedmann

978-3-426-22611-7.jpg.30100338Klappentext: „Was passiert, wenn die Ferienvilla in Bella Italia mehrfach vermietet wird? Drei Paare und eine Singlefrau pochen auf ihre Verträge und bilden eine Ferien-WG. Keiner kann den anderen ausstehen. Nur wenn Genießer Carlo kocht, herrscht für kurze Zeit Frieden. Eines Abends spielen die sieben ausgerechnet Flaschendrehen – mit ungeahnten Folgen, denn jeder von ihnen packt aus.“

Ich weiß ehrlich gesagt kaum, was ich zu dem Buch zusammenfassend sagen soll. Es hat mir weder besonders gefallen, noch hat es mir gar nicht gefallen, also ein wenig spannend war es dann nämlich doch. Ich habe es im Rahmen einer Leserunde gewonnen und wenn mir nicht die Renzension im Nacken sitzen würde, hätte ich das Buch niemals zuende gelesen. Ich fand es nicht besonders unterhaltsam, nicht besonders komisch und nicht besonders dramatisch. Die Wendung „nicht besonders“ ist schon das, was ich hauptsächlich zu dem Buch sagen kann.
Das Spielen mit den Klischees war am Anfang etwas nervig (3 Münchner, 2 Berliner und 2 Leipziger), hat sich aber mit der Zeit zum Glück relativiert. Allerdings konnte ich mich mit keinem Charakter sonderlich anfreunden, Lutz und Heiko fand ich unangenhem, maximal Carlo stellte ein Ruhepol dar, aber es gab im Großen und Ganzen ja keine Helden. Bei den Frauen war Elli hauptsächlich unauffällig skizziert, wenn auch elegant, Anna konnte mir mit ihrem tollen Londoner Flair gestohlen bleiben, Tina war irgendwie viel zu schrill und ihr Handeln zum Teil nicht mehr nachvollziehbar (als sie dann auch noch dachte, sie hätte sich in Sandra verliebt und ihre Konfrontationen mit Anna). Einzig Sandra hatte eine schöne Wendung in ihrer Geschichte, so dass man sich mit ihr noch am ehesten identifizieren und anfreunden konnte.
Gestört hat mich auch, dass nach 1,5 Seiten ständig die Perspektive übersprang und man die Gedanken des jeweils nächsten Chrakters beobachten konnte. Bei den ganzen Klischees und Absonderheiten war das aber irgendwie nur eine Berg- und Talfahrt, man kam nicht so richtig zur Ruhe. Naja und den Saalfeld hätte nun eigentlich auch keiner mehr gebraucht. Also die Wende um Saalfeld war schon traurig, aber irgendwie auch schrecklich und überflüssig inszeniert.

Fazit:

Die Idee mit den völlig unterschiedlichen Leuten, 3 Parteien, die ein und das selbe Ferienhaus gemietet haben, war sehr gut, da hätte eine schöne Story draus entstehen können. Aber was daraus geworden ist, hat mir nicht sehr gut gefallen, v.a. die Orgie war überflüssig. Nicht, dass ich nicht gerne Sexszenen in Büchern lese, aber das war ein wenig übertrieben, v.a. nachdem Tina neben ihren 20g Gras auch noch Koks aus der Tasche gezogen hat, war bei mir dann endgültig Schluss.

Bewertung:

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(3 von 5 Gespenster, sie waren in der Geisterstunde etwas unzufrieden)

Rezension zu „Feuer und Glas“ von Brigitte Riebe

„Krieg, so weit das Auge reicht! Venedig gegen die Liga, Wasser gegen feuer, Feuer gegen Feuer. Jeder gegen jeden. Ich habe genug davon! Ich kann keine Toten mehr sehen!“

 Genre:   Fantasy, Jugendbuch, historischer Roman
Seiten:   384
ISBN:      978-3453267381
Verlag:   Heyne

Kurze Inhaltsangabe:

Die Handlung spielt in Venedig zu Beginn des 16. Jahrhunderts (1509). Im Mittelpunkt steht die 16 jährige Milla Cessi, Tochter des Feuerkopfes Leandro. Ihr Vater ist seit Jahren verschwunden und so wuchs Milla mit ihrer Mutter und Tante auf, jedoch verbirgt Milla vor ihnen ein Geheimnis. Ihr Vater ist nämlich nicht einfach verschwunden und ließ seine Familie hinter sich, sondern schickte Milla einen Brief.

Dieser Brief wird noch eine wichtige Rolle spielen, denn Milla muss nach und nach feststellen, dass in Venedig nicht alles so ist, wie es scheint. Am Vorabend des Krieges gibt es nämlich auch innerhalb Venedigs verschiedene Parteien, die sich gegenseitig zu vernichten drohen: die Feuerleute und die Wasserleute. Milla gehört wie ihr Vater zu den Feuerleuten, sie hat nicht nur seinen roten Schopf geerbt, sondern auch seine besonderen Fähigkeiten und ein Talent für das Glasblasen. Sie und der Junge Luca sind die Schlüssel zu dem geheimen Pakt, der nicht nur den Krieg beenden, sondern auch Venedig von dem endgültigen Untergang bewahren kann.

Meine Meinung:

Ich bin während des Lesens ziemlich zwiegespalten gewesen, am Ende aber ziemlich enttäuscht. Aber erstmal zu den positiven Dingen: Venedig als Setting hat mir sehr gut gefallen und ich bin gerne in die Gassen eingetaucht. Auch die Idee mit dem Feuer und Wasser, der geheimnisvollen Insel und den Pakt fand ich sehr sehr gelungen. Die Vermischung von Historischem und Fantasy fand ich sehr treffend und ich hätte gern mehr davon gelesen.

Allerdings überwiegen die Dinge, die mir nicht gefallen hat. Zum einen flieht Milla nach jedem zweiten Gespräch, egal ob sie es mit Luca, Marco, ihrer Mutter, Tante oder sonstwem geführt hat. Sie rennt ständig davon, das hat mich zwischendurch ziemlich gestört. Nicht jedes Wegrennen wäre nötig gewesen.

Es wird immer mal Spannung aufgebaut, aber die letzten 50 Seiten fand ich etwas daneben. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Milla, sondern es gibt drei Handlungsstränge, die sich alle paar Seiten abwechseln. Damit sollte wahrscheinlich atemlose Spannung aufgebaut werden, aber für mich kam dabei einfach nur die Handlung zu kurz. Vorher wurde alles um Milla, ihre Entdeckungen, Handlungen und Entscheidungen minutiös geschildert und plötzlich hat man den wischiwaschi Pakt, der nicht mal ganz erklärt wird. Dadurch wurde nämlich auch die (eigentlich unmögliche) Liebesgeschichte unglaubwürdig, v.a. weil gar kein Grund gegeben wurde, warum es eigentlich verkehrt war, dass sich die beiden verliebt haben. Natürlich gibt es noch einen nächsten Teil, aber hier hätte man gut und gerne weitere 50 Seiten in ein vernünftiges Ende investieren können. So wirkten einige Dinge fürchterlich konstruiert und fadenscheinig. Diese letzten beiden Kapitel haben bei mir leider bezweckt, dass ich die Fortsetzung nicht lesen möchte 😦