Rezension zu „Götter“ von Will Hofmann

41SSUrWclpLGenre:           Roman
Seiten:           400
Verlag:          Fabulus
ISBN:            978-3944788197
Preis:             19,95€

 

                            Inhalt:

In Deutschland gibt es vier geheime Reservate, in denen, nach Geschlechtern getrennt, Männer und Frauen wie Sklaven gehalten und körperlich sowie sexuell durch sogenannte Götter ausgebeutet werden. Diese gebärden sich zu ihrem eigenen Vorteil als Herren über Leben und Tod und führen über ihre Untertanen ein strenges Regiment bis hin zur Todesstrafe.
Diesem Terrorregime entfliehen unabhängig voneinander Agnes und Günter. Sie treffen sich zufällig in der Freiheit, tun sich zusammen und müssen das zivilisierte Leben von Grund auf neu lernen. Mithilfe von Freunden gelingt ihnen dieser Prozess erstaunlich schnell. Zugleich entsteht bei ihnen der Wunsch, die vermeintlichen Götter zu entmachten. Werden sie diesen Kampf erfolgreich bestehen?

Mein Leseeindruck:

In dieser Geschichte geht es größtenteils um Agnes und Günther, die unter merkwürdigen Bedingungen aufgewachsen sind. In Deutschland gibt es ein großes Gebiet, welches in Privatbesitz ist (via Schenkung von 1765) und dort befinden sich in einen gewissen Abstand voneinander vier Reservate: diese wissen nichts voneinander, in zwei Reservaten leben nur Frauen und in den anderen beiden nur Männer. Die Geschlechter wachsen getrennt auf und haben kein Wissen voneinander – sie denken, dass es nur Frauen oder Männer gibt und dass die Götter sie so geschaffen haben. Sie wachsen sehr einfach auf, kennen keine moderne Technik und nur einfaches Handwerk. Ihre Aufgabe ist es, landwirtschaftliche und handwerkliche Produkte für die Götter zu produzieren (die diese dann abholen und gute Gewinne erzielen). Ja aber woher kommt der Nachwuchs? Wer sich besonders gut anstellt, der bekommt eine Belohnung und wird von den Göttern aus dem Himmel abgeholt (Helikopter). Dann werden die „Erwählten“ betäubt oder anderweitig in einen Rauschzustand versetzt und haben Sex – die jeweiligen Kinder werden via Kaiserschnitt geboren und dem jeweils passenden Reservat zugeteilt.

Völlig abstrus oder? Die Grundidee fand ich interessant umgesetzt, auch wenn mich eine Kleinigkeit gestört hat: die Menschen sprechen ganz komisch und ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Sprechweise von 1765 überliefert ist. Und selbst wenn sie sich in den 200 Jahren weiter entwickelt hat, so sprachen die Menschen nicht durchgängig so ungewohnt. Ich hatte eher das Gefühl, dass sich der Autor ab und an daran erinnert hat, dass er sich für diese Sprechweise entschieden hat, und manchmal nicht.

Aus zwei Reservaten konnten in einem gewissen Abstand jeweils ein Mann und eine Frau fliehen und die haben sich autodidaktisch viel Wissen angeeignet (zuerst allein, später zu zweit). Zum Beispiel, wenn man bestimmte Körner in den Boden steckt, dass dort irgendwann wieder etwas wächst oder wie man Tiere zähmt. Auch die Geheimnisse der Fortpflanzung haben sie zuerst an den Tieren und später an sich selbst entschlüsseln können. Dieses Jäger- und Sammler-Konzept war durchaus spannend und informativ und erstreckte sich über viele Jahre.

In einem anderen Erzählstrang geht es um eine Sekte, bei der man als Leser erst am Ende erfährt, was diese mit den Reservaten zu tun hat. Mich hat allerdings geärgert, dass ich die ganze Zeit davon ausgegangen bin, dass diese Erzählstränge die ganze Zeit über parallel laufen, weil man eigentlich nie eine Zeitangabe bekommt. Statt dessen kommen dann am Ende einige Erkenntnisse ans Tageslicht und man fühlt sich ein wenig veräppelt, vor allem weil es sich um größere Zeitsprünge handelt, die plötzlich eine Rolle spielen.

Insgesamt war die Geschichte recht träge und langatmig, auch wenn mir das Ausprobieren und Neu-Entdecken von Agnes und Günther gefallen hat. Die Sprechweise fand ich gewöhnungsbedürftig, aber ich denke, dass der Autor für seine Reservate ein Gesamtkonzept schaffen wollte, was sich von unserem Alltag abhebt. Schwachpunkte sind aus meiner Perspektive die Irreführung durch fehlende Zeitangaben, die Sprünge in der Zeit und in den Handlungssträngen, die sich einfach nicht zu einem Gesamtbild verbinden wollen. Außerdem ist die Geschichte lange Zeit recht träge, es vergehen viele Jahre, in denen aber immer alles glatt läuft: alle Geburten, alle Erfindungen, Agnes bring sich später mit einigen gefundenen Büchern über Nacht das Lesen bei usw. Im Grunde genommen läuft immer alles glatt und sie können zum Schluss gegen das gesamte System angehen, was dann aber plötzlich ganz schnell und glatt über die Bühne geht. Nach der behäbigen und kleinschrittigen Geschichte am Anfang war es etwas seltsam, dass zum Schluss alles husch husch gelöst wurde. Ein „rundes“ Buch ist „Götter“ von Will Hofman daher aus meiner Perspektive nicht.

3 Geister

(3 von 5 Geister haben mit Günther und Agnes laufen gelernt –
die anderen beiden haben lieber Civilization gezockt)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s