Rezension zu „Die Verwandlung“ von Franz Kafka


81XQUPVm2ALGenre:
           Klassiker
Seiten:           44
ASIN:            B004UBAIAC
Preis:             0,00€ (lizenzfreie Ausgabe)
                           3,95€ (gebundene Ausgabe)

                                               Inhalt:

Die Geschichte handelt von Gregor Samsa, dessen plötzliche Verwandlung in ein Ungeziefer die Kommunikation seines sozialen Umfelds mit ihm immer mehr hemmt, bis er von seiner Familie für untragbar gehalten wird und schließlich zugrunde geht. Der Text wurde zunächst 1915 im Oktoberheft der Zeitschrift Die Weißen Blätter unter der Redaktion von René Schickele veröffentlicht.

Mein Leseeindruck:

Wer hätte gedacht, dass ich noch mal freiwillig zu Kafka greifen würde!? Aber wenn man es nicht als 16jährige für die Schule liest, dann hat man definitiv einen anderen Blickwinkel beim Lesen.

Die Grundgeschichte dürfte recht bekannt sein: Gregor Samsa wacht morgens auf und muss feststellen, dass er eine Kakerlake ist. Im folgenden wird beschrieben, wie seine Familie damit umgeht und welche Gedanken sich Samsa macht. Ihn beschäftigt zunächst seine Arbeitsstelle, die Ängste um Geldeinbußen seiner Familie und wie er ihnen als Riesenkakerlak am wenigsten zur Last fallen könnte.

Leider nimmt die Familie es weniger gut auf und erkennt ihn nicht mehr als Familienmitglied an. Es gibt lediglich ein paar halbherzige Versuche seiner Schwester ihm das Leben etwas angenehmer zu machen.

Ich empfand die Reaktionen als sehr undankbar (in heutigen Romanen würde die Schwester sich sofort allein und nur mit einer Puppe begleitet in eine Parallelwelt aufmachen und ein Heilmittel suchen, dabei auf einen Mäuserich treffen, der auf einer einäugigen Libelle reitet, zusammen die Welt retten und mit dem Heilmittel wiederkommen), da er zuvor Vater, Mutter, Schwester und das Haus finanziell unterhalten hatte und sich nie beklagte. Nun fällt er ihnen zur Last und sie geben ihn quasi auf. Er stirbt dann vor Gram.

Insgesamt hat mich die Geschichte sehr traurig gemacht. Ich möchte hier nicht Kafka und das Verhältnis zu seinem Vater oder seinen Geisteszustand analysieren – wir sind ja schließlich nicht im Deutschunterricht. Aber nachdenklich macht das Büchlein auf jeden Fall, denn Liebe und Fürsorge kann sich bei Schicksalsschlägen schnell ins Gegenteil verwandeln bzw. ausbleiben. Dann sind manche sich selbst die nächsten und vergessen ihre Dankbarkeit oder Fürsorge zu anderen, auch wenn diese noch so dringend ihre Hilfe benötigen.

Daher denke ich, dass man sich vielleicht doch mal wieder einen Kafka zu Gemüte führen kann, auch wenn er noch so düster ist. Die Realität ist es schließlich ebenfalls – auch ohne Kakerlaken.

4 Geister

(4 von 5 Bewertungsgeister sind heilfroh, dass sie noch Geister sind –
einer ist heute morgen als Kakerlaken-Geist aufgewacht und schmollt)

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5 Kommentare zu “Rezension zu „Die Verwandlung“ von Franz Kafka

  1. Sehr wahre Worte.
    Was Kafka hier macht, ist dieses Zeigen eines Fallenlassens, wenn ein sonst bequemer Mensch auf einmal seinen Zweck nicht mehr erfüllen kann. Wir haben an der Uni sehr ausführlich über die „Verwandlung“ gesprochen (eher aus intertextueller Sicht, also: Welche Werke der Weltliteratur können als Einflüsse wahrgenommen werden? Und wir haben Einordnungsversuche in ein Genre gemacht, ohne zu sehr interpretieren zu wollen.)
    Kafka selbst fand seine Geschichte angeblich urkomisch. Wann immer er die „Verwandlung“ öffentlich gelesen hat, hat er gekichert und musste oft so sehr lachen, dass er die Lesung unterbrechen musste, bis der Lachanfall vorüber war. Aber ob das ein belustigtes oder hysterisch-sarkastisches Lachen war, lässt sich im Nachhinein natürlich nicht sagen.

  2. Mir sind von der Geschichte eigentlich gerade mal zwei Dinge im Kopf geblieben, das Samsas Größe die ganze Geschichte hindurch variiert (mal ist er Käfer groß an der Wand, mal passt er nicht mehr durch die Tür) und das furchtbare Ende bei dem die Eltern nichts anderes interessiert als welchen Vorteil wohl sie aus der verbliebenen Tochter ziehen können.

    Alles in allem ein sehr bitteres Werk.

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