Rezension zu „Die Dämonen von Lorch“ von Isabella Benz

51Rn9q0ctoL._SY344_BO1,204,203,200_Genre:           Historisches
Seiten:           350
Verlag:          Ammianus-Verlag
ISBN:             978-3945025031
Preis:             13,90€
Leseprobe: *click*

Inhaltsangabe:

Sie keucht.
Sie zuckt.
Und sie schlägt um sich.
Wie eine Besessene.

Johann von Badenberg tut alles, um die mysteriösen Anfälle seiner Geliebten zu verbergen. Doch dann fordert sein Halbbruder Konrad III seine Loyalität im zweiten Kreuzzug. Schweren Herzens lässt Johann die Vogtstochter im Kloster Lorch zurück. Wenn die abergläubischen Bauern oder gar die Mönche etwas merken! Zwei Jahre lang trennt der Kreuzzug die Geliebten, bis das Heer im Jahre 1149 endgültig versagt. Nach der Niederlage jagt die Angst Johann über die gefährlichen Alpen zurück. Er ahnt nicht, wie sehr die Zeit tatsächlich drängt. Denn in Lorch treibt ein geheimnisvoller Schatten sein Unwesen. Tote Hühner und verschwundene Ziegen erschüttern das Klosterdorf. Hat der Teufel seine Finger im Spiel? Zunächst schenkt Theodora dem Geschwätz der Bauern keinen Glauben, doch dann wird sie Zeugin, wie der vermeintliche Dieb ein dämonisches Ritual vollführt. Der Pariser Exorzist Wilhelm soll das Böse vertreiben. Bald fällt sein Verdacht auf Theodora. Sie leugnet verzweifelt – bis eine alte Frau ermordet wird und Theodora Zweifel an ihrer Unschuld kommen …

Mein Leseeindruck:

Das Erstlingswerk von Isabella Benz hatte mich neugierig gemacht, v.a. da ich von dem Verlag noch nie etwas gehört habe. Da ich mich aber nicht nur auf die großen und bekannten Verlage beschränke, habe ich mich in das mittelalterliche Abenteuer gestürzt.

Als Geschichtslehrerin hatte ich schon einige Berührungspunkte mit dem Thema Kreuzzüge und Vorurteile gegenüber Frauen bzw. „Hexen“. Aus meiner Perspektive ist das historische Buch „Die Dämonen von Lorch“ sehr gut recherchiert und für seine geringe Seitenanzahl (im Vergleich zu den allseits bekannten historischen Wälzern) von ungewöhnlicher Tiefe. Ich fand es sogar sehr beklemmend, auf eine Art, die mir so noch nicht unter gekommen ist. Das liegt auch daran, dass Isabella Benz ein Thema eingebunden hat, welches über das übliche „die Frau arbeitet mit Kräutern und passt sich nicht an und wird deswegen als Hexe betitelt“ hinausgeht. Stattdessen geht es um eine Art Epilepsie, regelmäßige Anfälle, mit denen man in dieser Epoche wenig anfangen kann. Gepaart mit den Vorurteilen der Zeit, geschürt von einem dogmatischen Mönch, erscheint die Situation für sie aussichtslos.

„Die Dämonen von Lorch“ ist tatsächlich kein vergnügliches Buch und hat mich letzten Endes so oft bedrückt, dass ich es nur etappenweise lesen konnte. Der Aberglaube, die Vorurteile und Ungerechtigkeiten aufgrund von Unwissen und Verbohrtheit haben mich nicht selten so sehr aufgeregt, dass ich das Buch oft zur Seite legen musste. Denn nicht nur die „anderen“ sind recht unwissend und abergläubisch, sondern auch die „Helden“. Das hat mir einerseits gut gefallen, denn so ist es ja eigentlich auch in Wirklichkeit, aber andererseits hat es mich natürlich gestört.

Daher lautet mein Fazit auch, dass es wirklich gut recherchiert ist und das Verhalten und Gebaren der Menschen gut umgesetzt wurde. Nur fiel es mir aus den genannten Gründen wirklich schwer das Büchlein zu beenden. Das finde ich wiederum traurig, da das Buch wesentlich ehrlicher, eben ungeschminkter ist, als die ganzen erfolgreichen Mittelalterschinken, die die Zeit verklären. Sie setzen viel mehr Dramatik, Spannung und Herzschmerz ein, wobei die Geschichten oft an den Haaren herbei gezogen sind. Aber sie lassen sich nun einmal besser lesen. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Sicherlich hätte mir Lorch besser gefallen, wenn es seinen Sonntagsstaat angezogen und sich herausgeputzt hätte. *seufz*

3,5 Geister(3,5 von 5 Bewertungsgeister fanden den Krimi hinter den Morden
in Lorch unglaublich spannend –
die anderen haben sich vor der menschlichen Spezies gefürchtet)

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