Rezension zu „Vor uns die Nacht“ von Bettina Belitz

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Genre:           Jugendbuch
Seiten:           382
Verlag:          Script5
ISBN:             978-3839001592
Preis:             17,95€
Leseprobe:  *click*

„Ich hab viel gelesen und viel nachgedacht – und nebenbei auch viel Mist gebaut, gebe ich zu. Aber eines Tages hab ich kapiert, dass ich andere Menschen nicht brauche, nicht zum Überleben und erst recht nicht zum Glücklichsein. Ich bin mein bester Freund, denn ich weiß am besten, was mir guttut. Ich sag nicht, dass das leicht ist, es ist sauschwer, ich bin durch manche dunkle Tunnel gegangen, da war es stockfinster. Denn wenn du so denkst, gibt es niemanden mehr, dem du die Schuld geben kannst, wenn was schiefgeht. Aber das Ergebnis ist, dass ich mich heute mag. Ich mag mich und kümmere mich gern um mich. Und wenn ich glücklich bin, kann ich es auch teilen.“

Inhaltsangabe:

Sie hassen sich, wenn sie miteinander reden. Und sie lieben sich, wenn sie sich berühren. Sicher ist nur eins: Seit Ronia Jan getroffen hat, ist nichts mehr wie zuvor. Seit sie ihn das erste Mal gesehen hat, muss sie jeden Freitag zurückkehren. Abends. An den Fluss. Wenn es dort still und einsam ist. Hier, so hofft sie, wird sie ihn wiedersehen …

Niemand hat die 21-jährige Studentin Ronia bisher so fasziniert wie der rebellische Jan, der keine Konventionen kennt. Ronia und Jan kommen aus völlig verschiedenen Welten und fühlen sich doch magisch voneinander angezogen. Auch wenn Ronia zunächst dagegen ankämpft – es ist zwecklos, sie kann sich dem rätselhaften Jan nicht entziehen. Da sie jedoch einige bittere Enttäuschungen hinter sich hat, möchte sie diesmal alles anders machen: keine Träumereien, keine Versprechen, keine Liebesschwüre – sie will die Zügel in der Hand behalten. Und so beginnt ein hochexplosives, hingebungsvolles und nervenaufreibendes Spiel …

P.S.: sie hassen sich überhaupt nicht, Jan verhält sich eher gleichgültig. Der Klappentext ist im Allgemeinen ziemlich irreführend.

Mein Leseeindruck:

Dieses Buch hat mir fast den Verstand geraubt. Es hat beständig gezogen und gezerrt und ich wollte es oft gegen die Wand klatschen. Warum ich es dennoch mit 2,5 von 5 bewertet habe? Weil Bettina Belitz einen unglaublich malerischen, geheimnisvollen und wundervollen Schreibstil hat. Sie entwickelt eine Magie zwischen den Zeilen, die ich kaum in Worte fassen kann.

Im Gegenzug zum Schreibstil hat mir die Geschichte überhaupt nicht gefallen. Die Protagonistin Ronia hat einfach mal dermaßen einen an der Waffel, dass ich mich zu keiner Zeit mit ihr identifizieren konnte. Und ich muss wirklich sagen, dass mir noch NIE eine dermaßen dämliche Heldin über den Weg gelaufen ist. Verzeiht mir meine harten Worte, aber ich untertreibe noch. Wirklich!

Dass sie sich plötzlich für den Rebellen Jan interessiert, ist ja noch ok. Aber anstatt mal mit ihm zu reden, joggt sie dann jeden Freitag, denn er hält sich gern im Wald (Flussnähe) auf und lernt dort. Übrigens nicht nur freitags, aber Ronia muss man da nicht mit Logik kommen. Die freitägliche Joggerei sorgt aber dafür, dass sie sich nicht mehr mit ihren Freunden trifft, z.B. eine Einzugsparty sausen lässt oder den Geburtstag ihrer besten Freundin VERGISST. Dann wird sie daran erinnert und geht TROTZDEM nicht zu ihrer Party bzw. meldet sich überhaupt nicht, weil sie ja erst joggen muss. Wer jetzt auch das Bedürfnis hat, die Hand gegen die Stirn zu klatschen, meldet sich bitte.

Damit hört der Irrsinn aber nicht auf. Zum Beispiel geht mit dem Joggen dann auch ein Ritual einher. Es wird geduscht, rasiert, 10 Badelotionen und sonstige Körperpflegeprodukte verwendet und sie lackiert sich sogar eine halbe Stunde vor dem Laufen die Fußnägel. Keine Ahnung, welche Frau es schafft, nach einer halben Stunde die Füße in die Schuhe zu packen, zu joggen und dann immer noch perfekte Nägel zu haben. Sinnlos. Ach ja, sie musste sich das eine Mal wegschleichen, weil sie ihrem Mitbewohner gesagt hatte, dass sie joggen geht. Aber sie wollte dann doch nicht verschwitzt sein und etwas Hübsches tragen, wenn sie Jan begegnet. Also hat sie ihre Jogginsachen angezogen, einen Rucksack mitgenommen, sich unter einer Brücke versteckt, sich umgezogen, den Rucksack dort gelassen und ist dann weiter gegangen. Ich muss nicht erwähnen, dass ich mir die Haare gerauft habe oder?

Naja, wenn sie ihn dann sieht, redet sie eher selten mit ihm, macht ihn in irgendeiner Art  und Weise an und verschwindet dann. Übrigens etwas, was ihr Jan auch vorwirft. Denn sie nölt später rum, dass sie nur Streiten und er ihr nie zeigt, dass er sie mag. Dabei redet sie nicht mit ihm und wenn, dann nur Blödsinn, ist an keinem vernünftigen Gespräch interessiert und meldet sich nie. Der arme Junge muss einiges wegstecken, um mit dieser Irren zusammen zu sein.

Ich könnte beliebig fortfahren, aber ich erspare euch das. Mag sein, dass Jan eine unschöne Vergangenheit hat und auch bei Ronias Familie einiges im Argen liegt. Aber mit 21 erwarte ich einen Funken Verstand. Und der hat mir bei diesem Buch leider gefehlt.

Wenn ich das Buch nicht im Zuge einer Leserunde als Rezi-Exemplar bekommen hätte, wäre der Buchdenkel schon lange vor dem Ende unwiderruflich geschlossen worden und ich hätte das Buch verkauft oder verschenkt. So musste ich es zu Ende lesen und aus meiner Perspektive war es verschenkte Zeit!

2,5 Geister

(2,5 Bewertungsgeister haben bis zum Schluss durchgehalten – die anderen haben ihre Aggressionen beim Joggen rausgelassen)

 

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2 Kommentare zu “Rezension zu „Vor uns die Nacht“ von Bettina Belitz

  1. Als außenstehende, möchte ich bezeugen, dass Sie sich sehr oft die Haare gerauft und immer nach 1,5 Seiten lesen das Buch zugeschlagen hat. Anschließend folgten Schimpftriaden mit kurzen Zitaten aus dem Buch, welche die Dummheit der Protagonistin bezeugten. Danach wurde das Buch wieder aufgeschlagen und das ganze begann wieder von neuem.

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