Weekly Dose Schooltalk – Sachsen braucht keine Lehrer

Ihr Lieben,

lange habe ich mich nicht bei euch gemeldet, aber nach der Prüfungsphase ist auch nur vor dem Notenschluss und es ist nach wie vor einiges zu tun. Obwohl wir nun alle erfolgreich die Prüfungen hinter uns gebracht haben, ist es aber nicht nur der Schulstress, der uns nach wie vor auf Trab hält.

eulen

Viele Schüler fragen mich bereits seit Wochen, warum ich sie darauf hinweise, dass sie im nächsten Jahr (schon wieder) einen anderen Lehrer haben werden und sind ganz überrascht, dass wir uns nach dem Referendariat neu bewerben müssen. Diese Bewerbung läuft in jedem Bundesland verschieden ab, in Brandenburg läuft alles online, in Sachsen-Anhalt schickt man sämtliche Unterlagen zentral an ein Amt UND an die Schulen, wobei die Schulen uns dann zum Gespräch einladen. In Sachsen bewirbt man sich nur zentral für den Bezirk Leipzig, Zwickau, Chemnitz, Dresden oder Bautzen und bekommt auch nur vom Amt irgendwann einmal ein entsprechendes Angebot. Oder auch nicht.

Es ist nämlich so, dass Sachsen keine Gymnasiallehrer braucht. Und mit „braucht“ meine ich, dass keine eingestellt werden. Denn wer tatsächlich mal eine Weile an einer Schule gearbeitet hat, dem wird recht schnell klar, dass es dort an allen Ecken und Enden fehlt: viel zu viele Stunden fallen aus oder werden nicht fachgerecht vertreten und der neuste Trend ist, dass man nicht 4 neue 5te Klassen à 23 Schüler bildet, sondern 3 Klassen à 28 bis 30 Schülerinnen und Schüler und die restlichen werden weggeschickt. Das ist nämlich auch der Grund, warum die Eltern dieses Jahr verspätet die Briefe und Zusagen für ihre kleinen Gymnasiasten bekommen haben. Denn man muss an Lehrern sparen und deswegen den Lehrbetrieb etwas KOMPRIMIEREN.

Nun, angeblich werden auch nur Gymnasiallehrer für die MINT-Fächer gesucht. Das alte Lied mit den fehlenden Mathelehrern. Mittlerweile kenne ich so einige fertige Referendare, die mit Mathematik dennoch keine Stelle am Gymnasium angeboten bekommen haben. Ist also ebenfalls Humgug.

Was nun mit uns werden soll? Nun, wir haben uns natürlich auch in anderen Bundesländern und an Privatschulen beworben. Aber v.a. die Fächer Deutsch, Geschichte, Ethik und Gemeinschaftskunde sind restlos überlaufen. Mit anderen Worten – uns braucht kein Mensch.

Irrtum! Man braucht Lehrer an den Grundschulen und vor allem an den Föderschulen wird händeringend gesucht. Uns wird geraten, dass wir dort unterkommen sollen, denn man kann an jeder Schule Berufszufriedenheit erlangen. Hm, ja, wenn man dazu nicht eine andere Ausbildung bräuchte. Aber wir sind ja schlaue und findige junge Menschen, nicht wahr? Aus diesem Grund behauptet das Kultusministerium sicherlich auch, dass wir 10 Jahre lang das falsche studiert haben. http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/a-z/sendung409470_letter-M_zc-6932cf5d_zs-dea15b49.html Ziemlich blöd von uns. Wer also ab August mit zwei Staatsexamen auf der Straße sitzt, ist selber Schuld. Schließlich hat man sich für die falschen Fächer und gegen eine „Umschulung“ entschieden. Wobei wir nicht umgeschult werden. So etwas gibt es nicht. Ich würde lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Übrigens ist das Schuljahr in 3 Wochen zu Ende und auch ich habe, wie viele andere, noch keine Aussicht auf eine Stelle.

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10 Kommentare zu “Weekly Dose Schooltalk – Sachsen braucht keine Lehrer

  1. Irgendwas läuft in Sachsen schief.
    Als ich mich in Leipzig auf Englisch/Französisch beworben habe (ich habe mich parallel noch für Physik und Ethik beworben damals, aber mehr als Ausweichoption, eigentlich wollte ich Englisch und Französisch), stand ich vor einem NC von ich glaube 1,6 für Englisch und 1,9 für Französisch.
    Mit einem ganz soliden Abitur, aber eben unter 2.
    Nur 30 Erstsemestrige wurden damals genommen (WiSe 2009/2010). Selektion par excellence, man musste fast schon ein fürs Medizinstudium taugliches Abiturzeugnis haben, um Englischlehrer zu werden.
    Wenn man noch bedenkt, dass immer eine bestimmte Quote abbricht, wechselt, doch an eine andere Uni geht… kommen nur die ganz Harten überhaupt bis zum Referendariat in Sachsen.
    Wenn pro Schulfach wirklich nur 30 Erstsemestrige angenommen werden (was eine lächerlich geringe Zahl angesichts der überschaubaren Zahl an Schulfächern wäre – zum Vergleich saßen in Mainz bei meiner Einführungswoche ca. 1000 Erstsemestrige im AudiMax und später musste ein pro-Forma-NC auf Bildungswissenschaften von 2,8 eingeführt werden, weil das Studium überlief), wie viele kommen dann bis zum Referendariat? Und dann auch noch erfolgreich DURCHS Referendariat? Nicht mehr als 5?
    (Wobei ich mir nicht sicher bin, ob es wirklich nur 30 sind, aber das war die Zahl, die in meinem Antworfbrief von der Uni Leipzig stand, für Physik/Ethik hätten sie mich angenommen… aber das wollte ich meinerseits nicht)
    Und diese paar Menschen werden dann nicht mal eingestellt, weil gespart wird, obwohl akuter Lehrermangel herrscht?
    Irgendwas läuft gewaltig schief :/

    Ich drücke dir richtig, richtig heftig die Daumen, dass du irgendwo unterkommst!

    • für diese Sinnlosigkeit fehlen uns mittlerweile auch echt die Worte. Mit Englisch und Französisch hätte man heute übrigens gute Chancen. Der NC sitzt definitiv an der falschen Stelle – aber davon abgesehen ist das ganze Studium unsinnig, denn du wirst nicht darauf vorbereitet, dass du irgendwann einmal Grundschülern das Lesen und Schreiben beibringen sollst…

      • Das glaube ich sofort… mit Englisch/Philosophie (was ich jetzt studiere) könnte ich einem Grundschüler weder Rechnen noch Schreiben beibringen.
        Es ist ein Fehlschluss, dass Grundschullehramt so leicht wäre, weil da die fachlichen Ansprüche der Bildungsinhalte so „niedrig“ wären.
        Man muss ein völlig anderer Mensch sein, ganz anders pädagogisch geschult werden, um mit kleinen Kindern arbeiten zu können.
        Der didaktische Unterbau ist grundverschieden von dem, was man für den Umgang mit Gymnasiasten braucht.
        Schon bei Hauptschülern ist der Unterschied im pädagogisch-didaktischen Aspekt bereits spürbar, bei Grundschulen aber ist er eigentlich kaum überbrückbar.
        Aber daran denkt kaum jemand, da heißt es „Lehrer ist Lehrer“ und man nimmt pauschal an, Grundschullehrer hätten einen leichten Job.
        Dabei würde ich um kein Geld der Welt mit einem Grundschullehrer tauschen wollen. Deren Job ist auf andere Weise aufreibend.

        • sehen viele von uns ähnlich. Einige trauen es sich zu und wollen es in der Grund- oder Förderschule versuchen. ich bin aber auch der Meinung, dass ich dort mehr Schaden als Nutzen anrichte. Der einzige Vorteil bestünde darin, dass die Zahlen dann stimmen: weniger arbeitslose Referendare, weniger Löcher in den Grund- und Förderschulen, Geld auf meinem Konto. Aber dafür sind mir die Schüler und ihre Ausbildung zu schade!

          • Eben, am Ende sind es die Schüler, die unter Lehrern leiden, die eigentlich für was ganz Anderes ausgebildet wurden 😦
            Und die können einfach am Allerwenigsten von allen dafür.

  2. Dazu fällt mir schon wieder einfach nix mehr ein..nur das es sehr traurig ist. Die ganze Situation mit Lehrern überhaupt. Einfach traurig..

  3. Also bei mir war es genau anders herum: Ich wollte unbedingt Grundschule (hab ich auch gelernt) und „angeboten“ wurde mir nur Sek I sprich Real- , Haupt und/oder Oberschule. Angeboten eben, weil händeringend gesucht. Sek II darf ich mit meiner Ausbildung nicht. Bin dann aber in den Sommerferien damals noch „mal eben“ an einer Schule im sozialen Brennpunkt gelandet! Yeah! Dafür aber wenigstens Grundschule! 🙂

    • Auch nicht schlecht. Ja, das mit den Brennpunkt-Schulen ist so eine Sache, daher war ich mit meiner Bewerbung sehr vorsichtig und habe tatsächlich nur Gymnasium angekreuzt. Aber schließlich ist es das, was man studiert hat und immer machen wollte *seufz*

      Und, bist du jetzt da angekommen, wo du hin wolltest?

      • Vor allem studiert man ja nicht Jahre lang aus Jux, sondern weil man genau die Stufe möchte!
        Ich war einfach so risikofreudig und habe alle Angebote der Sek I abgelehnt, obwohl die Schulleiter alle sagte: Mach das nicht, du findest nichts in der GS. Aber ich wollte meinen „Berufstraum“ auf den ich Jahre lang hingearbeitet habe, nicht sofort aufgeben. Es hat ja letztlich geklappt und ich bin an meiner (Grund-)Schule nun schon im meinem zweiten Jahr – das ja bald zu Ende ist. Brennpunkt ist zwar anstrengend, aber an anderen Schulen gibt es andere Probleme. Ich bin bisher soweit zufrieden. 🙂

        • sehr schön! Ich hibbel noch eine Weile und spätestens im August werd ich dann wahrscheinlich unruhig, denn zur Zeit wohne ich noch in einer WG, die sich auflösen wird und wo zieht man dann arbeitslos hin? Aber immer schön einen Schritt nach dem anderen. zur Zeit betreiben wir schön Aufklärungsarbeit in Sachsen, damit die Eltern nicht immer die Lügen glauben, weil ja Lehrer gesucht werden und was wir denn eigentlich für ein Problem haben…

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