Rezension zu „Der Zorn des Lammes“ von Johannes Groschupf

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Genre:           Thriller (?), New Adult
Seiten:           192
ISBN:             978-3-8415-0282-7
Verlag:          Oetinger
Preis:             12,99

„Und als das Lamm das siebte Siegel auftat, entstand eine Stille im Himmel, etwa eine halbe Stunde lang. Verberget uns vor dem Zorn des Lammes! Denn es ist gekommen der große Tag des Zorns, und wer kann bestehen?“

Inhalt

Jazz und Milan. Zwei junge Menschen in Berlin. Zwei Geschichten. Zwei Perspektiven. Die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Jazz kennt Milan, den etwas seltsamen Tellerwäscher aus der Kantine des Tagesspiegel, nur ganz flüchtig. Doch für Milan ist Jazz alles. »In jeder Nacht sitze ich hier und schreibe an sie. An sie, deren Namen ich nicht einmal kenne. Du bist schön wie der Mond.« Milan ist besessen von Jazz und schleicht sich nach und nach in ihr Leben …

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Mein Leseeindruck

Ich muss gestehen, dass das Cover zwar etwas verstörend wirkt (aber auch irgendwie cool), ich aber trotz Cover und Hintergrundinformationen niemals gedacht hätte, was tatsächlich in diesem recht dünnen Büchlein steckt. Es fing auch relativ sanft an, man lernt Jazz kennen, die mehr oder minder ihren Eltern und ihrer Vergangenheit entfliehen will und als Praktikantin bei einer Berliner Zeitung anfängt. Sie ist noch relativ blauäugig, was das Großstadtleben angeht, was ihr leider auch zum Verhängnis wird, dem kleinen Lämmchen.

„Keine Stadt riecht so eigenartig wie Berlin. In den ersten Tagen war ich ständig auf den Beinen, um all diese Gerüche einzufangen.“

Abwechseln zu Jazz gibt es die Kapitel über Milan. Auch über ihn erfährt man nur Stück für Stück etwas über seine Vergangenheit, viele Dinge werden auch nur angedeutet. Milan hat eine Art Psychose, Wahnvorstellungen und Wutausbrüche. Er war deswegen auch in Behandlung, lebt aber mittlerweile allein in Berlin und lernt dort das Lämmchen kennen und lieben.

„Keine Medikamente mehr. Kein Aufenthaltsraum. Keine Pfleger mehr, die einen ans Bett fesseln, wenn der Zorn in einem ausbricht. Sie nennen es: fixieren. Vor allem aber keine Medikamente mehr, die man schlucken muss und von denen die Hände zittern und die Augen müde werden.“

Diese Milan-Kapitel haben mir tatsächlich eine Gänsehaut beschert, denn die Beschreibungen über die Abgründe seiner Psyche haben mir zum Teil Leid getan, mir zum anderen aber ein sehr mulmiges und unangenehmes Gefühl beschert. Man spürte förmlich, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen konnte. Sehr gut und einfühlsam beschrieben!

Es kommt, wie es kommen musste und Milan entwickelt sich zum Stalker. Er tut alles, um seiner Geliebten nahe zu sein, obwohl diese ihn kaum wahr nimmt. Und dann kommt der Tag des großen Unglücks, der beinahe Jazz‘ Leben zerstört. Denn Milan bekommt sie in seine Gewalt… Sehr traurig und beinahe aussichtslos, aber wie der Titel bereits verrät, so rappelt sich das geschwächte Lamm/Mädchen wieder auf und nimmt ihr Schicksal wieder in ihre Hand. Der Ausgang ist verblüffend, denn damit hätte ich niemals gerechnet. Um so interessanter ist der „Zorn des Lammes“, denn er ist gar nicht so hinterhältig, wie man vielleicht vermuten mag und irgendwie behält Jazz sogar einen Teil ihrer Unschuld. Das war zumindest mein Eindruck.

Ein sehr bewegendes Buch und eine wirklich interessante Sozialstudie. Denn eigentlich ist die Handlung gar nicht so abwägig und das könnte jedem von uns passieren. Ich hoffe, dass mir das niemals passieren wird. Weder das eine, nach das andere!

5 Geister

(5 von 5 Lesegeister haben sich beim Lesen unter der Decke versteckt und gehofft, dass das Lamm entkommen kann)

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