Schülerarbeiten zum Thema Amoklauf Teil 2

Heute geht es anlässlich der vorgestellten Blogwoche zum Thema Amoklauf, weiter mit den Schülerarbeiten meiner 11er und ich möchte euch mein persönliches Highlight präsentieren. Leider fehlt dazu das entsprechende Vortragen, denn ich muss gestehen, dass ich am Montag tatsächlich eine Gänsehaut bekommen habe. Mit der richtigen Stimme und einigen rhetorischen Mitteln ist das Gedicht erst richtig perfekt.

Daher möchte ich euch heute das Gedicht präsentieren, welches eine meiner Schülerinnen zum Thema Amoklauf geschrieben hat. Ich werde es dieses Mal auch (fast) nicht kommentieren, denn ich denke, dass „crutiatus nocturnus“ für sich spricht!

crutiatus nocturnus. (or: a heavy burden.)

fader, heller Schein.
ein Licht.
langsam und bestimmt, als ob Gott selbst seine Verurteilung vollzogen hätte, verliert es seine Helligkeit.
ich bin blind.

Stille. abgrundtiefe Stille.
plötzlich streift mich ein Geräusch.
jäh verstummt, lässt es mich schaudern.
stumpfes Metall auf trockener Haut.
todbringende Kälte durchdringt langsam meine Fingerspitzen,
bahnt sich ihren Weg durch meine Glieder.
unbarmherzig. schmerzerfüllt.
ich spüre, wie sie sich in jede Faser meines Körpers frisst, bereit meine Adern zu durchtrennen.
kann nicht mal fliehen.
hoffnungslos gefangen.
meine Glieder haben sich versteift.
Bernini`s Daphne.
lebendig gefangen. erstarrt zu Mamor.
selbst meinen Geist verlässt jegliche Elastizität.
stets verlässlich, dennoch verlassen.

Klick.

kurz. schmerzlos. unglaublich laut.

ein harscher Luftzug streift mein halbseitig erstarrtes Gesicht. 
etwas hat sich gelöst.
unbändig, unaufhaltsam.
der Druck, der sich wie ein lauerndes Wesen auf meine Brust gelegt hat, nimmt zu.
es scheint ein ungreifbares Band schließt sich.
tatenlos muss ich verharren als ich merke, dass sich mir Etwas nähert.
ich kann nicht fliehen.
es rollt.
schneller, immer schneller.
die Wände an meinen Seiten bedrängen mich.
bedächtig, aber endgültig.
die Geschwindigkeit nimmt immer weiter zu.
wie ein Zug, der unaufhaltsam einer Wand entgegen rast.
schneller, schneller, schneller.
eine enorme, metallische Kugel.
ich spüre einen Geruch.
nur noch wenige Sekunden und sie wird mich erreichen.
ich werde die Nächste sein.
ich will schreien.
ich kann nicht.
ich bin steinern.
meine Lungen lechzen nach Sauerstoff.
ich will schreien!
ich kann nicht.

Klick.

kurz. schmerzlos. unglaublich laut.

plötzlich lässt aller Druck nach.
selbst das Rollen des gewaltigen Geschosses, ist nur noch eine fade Erinnerung, als wäre sie ungeduldig beisite gedrängt.

Klick.

und wieder überkommt mich Stille.

(Nur ein ganz kleiner Tipp zur Interpretation: es geht um Traumata und Albträume)

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5 Kommentare zu “Schülerarbeiten zum Thema Amoklauf Teil 2

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