Philosophischer Donnerstag #2

questionHuch, da hätte ich ihn doch fast verpasst. In den letzten Wochen stand aber auch immer mehr Arbeit an und der Blog … ja, über Prioritäten lässt sich ja bekanntlich streiten. Zum Glück bin ich aber schon vorbereitet, also kann es gleich in Runde 2 gehen ;-?

Ich habe meinen 5ern vor einigen Wochen aus Sofies Welt vorgelesen, sie sollten sich philosophische Fragen notieren und zu einer für sie besonders spannenden Frage eine eigene Antwort formulieren (dabei sind auch ein paar Malheure passiert, aber dazu später mehr). Hier erstmal die Frage (mir ist bewusst, dass es sich hierbei um mehrere Fragen handelt, aber im Zusammenhang ist es einfach schöner):

"Wer war sie? Sie war natürlich Sofie Amundsen, aber wer war das? 
Und was wäre, wenn sie anders hieße. Anne Knutsen zum Beispiel. 
Wäre sie dann auch eine andere?"*
*Gaarder, Jostein, Sofies Welt, München 1999, S. 9.
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3 Kommentare zu “Philosophischer Donnerstag #2

  1. „Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür“ & „Namen sind Schall und Rauch“ – das waren so meine ersten Gedanken dazu.
    Was ist ein Name? Namen dienen uns als Bestimmung bzw. Zuordnung. Wir unterscheiden mit Namen zwischen dem einen und dem anderen und kristalisieren so etwas spezielles aus der Masse heraus. Außerdem liegt im Namen auch immer ein gewisser Informationswert verborgen. Unser Name sagt also etwas über uns aus, macht uns aber nicht aus.
    Was wäre also, wenn Sophie Amundsen nun Anne Knutsen gewesen wäre? Zwei Betrachtungsweisen:
    1. Was macht ein Name schon aus? Hunderte Menschen täglich ändern Ihren Namen: Sie heiraten. Sie nehmen den Namen Ihres Gatten oder Ihrer Gattin an oder fügen beide Namen zu einem Neuen zusammen. Verändert sie das? Macht sie das zu einem andern Menschen? Bedingt – es macht Sie zu einem verheirateten Menschen. Aber das allein macht ja noch keinen Menschen aus, da es sich eher um einen Beziehungsstatus handelt. Aber vielleicht bedeutet es doch ein bisschen mehr, denn schließlich ist die Entscheidung, seinen Namen auf Grund einer Hochzeit zu ändern eine weitreichende Entscheidung, welche in der Regel ein Leben lang anhält und damit ein großer Schritt in unserem Leben. Und wer kann sich schon vorstellen plötzlich anders zu heißen? Unser Name begleitet uns schließlich schon unser Leben lang und irgendwie definiert man sich über ihn, er macht uns einzigartig und zu einem Bestimmten und nicht beliebigen Menschen.
    2. Wenn man bedenkt, dass Anne noch ein Kind ist, kommt eine Heirat wohl weniger in Frage. Also was wäre, wenn sie Knutsen anstatt Amundsen heißen würde? Es könnte bedeuten, dass sie ganz andere Eltern hätte und in eine andere Familie hineingeboren wäre. Sie wäre anders erzogen worden, hätte andere Freunde gehabt und andere Dinge in ihrem Leben erlebt. Sie wäre ein anderer Mensch geworden, da sie eine vollkommen andere Prägungen erhalten hätte.
    Aber vielleicht wäre sie auch erst später, duch beispielsweise die Hochzeit ihrer Mutter, zu einer Anna Knutsen geworden. Dann wäre sie wohl immer noch der selbe Mensch, nur mit einer anderen Geschichte.

    Also kann man sagen, dass ein Name durchaus einen anderen Menschen aus uns machen kann – es aber nicht muss. In den meisten Fällen ändert sich nur die Geschichte, die unser Name über uns erzählt.

    Sophie Amundsen das Mädchen.
    Anne Knutsen welche nach der Hochzeit den Namen ihres Mannes angenommen hat und jetzt Sophie Amundsen heißt.
    Anne Knutsen, welche von ihrem Stiefvater adpotiert wurde und vorher Sophie Amundsen hieß.
    Oder Anne Knutsen, die neben Sophie Amundsen wohnte.

    Ps.: Ich persönlich mag meinen Namen, weil er eine sehr interessante Geschichte erzählt, die irgendwie auch etwas besoneres ist. Und er erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern sogar mehrere und verbindet mich mit meiner Familie. Ich würde meinen Namen nur ungern hergeben.

    • hach, ich liebe es, wie gründlich dein Verstand arbeitet! Ich muss mir demnächst unbedingt das benötigte Utensil anschaffen, um dann auch entsprechend über deine ganzen anderen philosophischen Gedankengänge zu wachen!

    • In dem Buch, das ich gerade lese, geht es um eine junge Frau, die gekidnappt und vergewaltigt worden ist. All das war in den Medien, ihre Eltern konnten nicht mehr mit ihr umgehen (Kleinstadt und weiß der Geier), und so fing die junge Frau woanders ein neues Leben an. Später wird sie von einem Polizisten gefragt, warum sie nicht auch ihren Namen geändert hat. Sie meinte darauf, die ganze Geschichte hat ihr bereits so viel genommen, dann will sie wenigstens etwas behalten. Ihren Namen. Namen bedeuten ja bekanntlich auch Macht, gibt es nicht eine Rachel Marianna Morgan, die von Dämonen mit ihrem vollen Namen gerufen wird. Demnach könnte man sogar so weit gehen, dass Namen sogar eine Orientierung im Weltgeschehen geben.
      Arm ist auf jeden Fall der, der keinen eigenen Namen hat, weil er aus Gründen geändert werden musste. Der Name spiegelt die Identität wieder und die braucht man heute mehr denn je! –> Spitznamen spiegeln dort auch eine wichtige Rolle. Meine Kids sind z.B. auf den Trichter gekommen, wenn sie einen Namen haben, den andere verschandeln können, dann wären sie vielleicht unglücklicher, weil sie aufgrund des namens gehänselt werden und das würde sie auf jeden Fall beeinträchtigen. Ein interessanter Gedanke!

      Ansonsten bin ich auch der Meinung, wenn man mit einem anderen Namen geboren wird, dann wohl auch an einem anderen Ort, in eine andere Familie. Ich glaube, dass dies die Antwort auf Sophies eigentliche Frage ist. Dass sie dann eine andere wäre und nicht wird.

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