Rezension zu „Dunkle Visionen – Lichtwerke“ von Sebastian Thiel

Dunkle Visionen

„Unter Schmerzen versuchte Jonas, die Vision Stück für Stück aufzurufen, durchzugehen und zu analysieren und ertappte sich bei dem Versuch, einige Passagen schönzureden. […] Gab es ein Verbrechen, das so eine Behandlung rechtfertigte? Natürlich hatte er die Reichskristallnacht mitbekommen, und wie viele Juden deportiert wurden. Aber dies alles geschah zum Schutz des Reiches, oder etwa nicht? Die Zweifel wurden immer stärker, genau, wie die Fragen an Bedeutung gewannen, deren Antworten er jetzt haben musste.“

Genre:     Fantasy, History
Seiten:     228
ASIN:       B00DKZXVQM
Verlag:    bookshouse

Kurzbeschreibung:

Berlin, in den dunklen Kriegsjahren 1942

Der SS-Offizier Jonas Danneberg hat die Gabe, in die Zukunft zu sehen, und verhilft der Reichsregierung zu wichtigen Siegen. Während er im Herzen Berlins seiner Kollegin Miriam näher kommt, tobt auf der Welt die Schlacht. Doch als seine Visionen stärker werden und er das ganze Ausmaß des Krieges erkennt, beginnt er, an der Richtigkeit seines Handels zu zweifeln. Erst als eine alte Magierorganisation mit ihm Kontakt aufnimmt, stellt er sich den Fragen, die ihn schon sein Leben lang quälen. Die Menschen führen nicht nur Krieg untereinander, sondern eine ganz andere Bedrohung scheint nach der Macht über alle Lebewesen zu greifen. Verhindern können dies nur die Magier der Lichtwerke. Jonas muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht. Der Kampf um das Wohl der Menschheit beginnt …

Mein Leseeindruck:

Um diese Rezension habe ich mich lange gedrückt, weil ich ziemlich enttäuscht von dem Buch war. Die Story ist natürlich von vornherein etwas seltsam, aber ich war sehr darauf gespannt: ein SS-Offizier, der für sein Vaterland Visionen bzw. Wahrscheinlichkeiten „produziert“ und damit den Verlauf des Krieges zu beeinflussen sucht. Man kann daher von Anfang an erwarten, dass sich das Blatt für ihn wendet, nur das Wie ist eine ganz merkwürdige Geschichte. Zunächst bin ich mit dieser Miriam nicht zurecht gekommen. Sie war irgendwie unscharf, hat nicht so recht zusammen gepasst. Mal tut sie dies, dann redet sie das und reagiert noch ganz anders. Die Frau war mir ein Rätsel und zwar nicht im Sinne von spannend oder mysteriös, sondern einfach nur daneben.

Die Romanze habe ich dann aber akzeptiert. Dann wurde Jonas mehrmals von den Lichtwerken, der „hellen“ Magierorganisation, kontaktiert. Diese Organisation hält sich raus aus dem Kriegsgeschehen, sie kämpfen gegen Vampire und Dämonen, nicht aber gegen die Nazis und schon gar nicht versuchen die den Ausgang des Krieges zu beeinflussen. Schwierig wird es, als Jonas Visionen von Ermordungen im KZ bekommt (siehe Zitat). Er beginnt also an der Richtigkeit seines Tuns zu zweifeln, aber es kommt nicht zu der entscheidenden Konsequenz, weil sich dann die Lichtwerke einschalten. Seine Gabe ist so außerordentlich, dass er außer Landes geschafft werden soll, von irgendwelchen Aktionen für die Juden ist daher nicht mehr die Rede. Bis zu diesem Punkt könnte man noch sagen, okay, er soll für das größere Ganze kämpfen, für die Menschheit, die von Dämonen (aber nicht von Nazis) befreit werden soll. Mein Auf und Ab zwischen Unzufriedenheit und Akzeptanz pegelte sich bei 3 Bewertungseinheiten (Sterne, Geister) ein. Dann geschah aber noch der letzte Clou, eine für mich unverständliche Wendung: Alle Begleiter der Lichtwerke opferten sich nach und nach für die Sache und als Jonas mit seiner Geliebten Miriam endlich an der Fähre angekommen war, die sie nach England bringen sollte, erschießt Miriam Jonas, weil sie nicht möchte, dass er ihrem dann doch noch innig geliebten Vaterland schadet. —> Hä??? Sie überlebt und ist auch noch schwanger, trägt also potentiell den nächsten Erretter (sowas wie Merlins Nachkommen) in sich. Ich muss sagen, es tut mir wirklich leid für diese Rezension, aber: was für eine sinnfreie Story? Der Epilog hat dann noch ein wenig die Wogen geglättet, weil sich dann herausstellte, dass die Chefin der Lichtwerke überlebt hat und man sich erstmal zurückzieht, um die Kräfte zu sammeln. Das hat ein wenig die gekünstelte Weltuntergangsstimmung ausgebügelt. Aber die Rezension rettet es leider nicht.

2 Geister(2 von 5 Geister wollten noch wissen, wie es weiter geht, die anderen sind losgezogen, um selbst die Juden zu retten oder um zumindest irgend etwas gutes zu tun)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s