“Daydreams – true or false” #Kapitel 6

Hm, einen Tag zu spät dran, aber hey, es ist Wochenende ^^ Viel Spaß mit dem 6. Kapitel meiner Romantasy Novelle „Daydreams“. ich freue mich wie immer über Anregungen und Kommentare!

Kapitel 6

Am nächsten Morgen rief die Polizei an. Lillian schlief noch und ihre Eltern übermittelten ihr die Informationen erst später. In der Geisterbahn ist niemand gefunden worden, allerdings konnten sie echte Blutspuren finden. Die Analyse lief bereits und man durchsuchte die Datenbanken.

Das konnte Lillian zwar ganz und gar nicht beruhigen, aber mittlerweile fühlte sie sich so ausgelaugt, dass sie von dem Sonntag nicht viel mitbekam. Ihre Eltern machten sich natürlich Sorgen, schoben es aber auf den Schock und ließen ihre Tochter weitestgehend in Ruhe. Einziger Lichtblick war das Gespräch mit Dorian, der sich liebevoll erkundigt hatte, ob es ihr gut gehe und sie am Montag nach der Schule abholen wollte.

Lillian fiel auf, dass sie wegen der ganzen Aufregung um Dorian und den sich überstürzenden Ereignissen immer noch keine Gelegenheit hatte, mit June und Christa über ihre Träume zu sprechen. Leider hatten sich diese immer noch nicht aufgehört und sie fühlte sich mittlerweile am Ende ihrer Kräfte. Dabei war es nicht nur der Schlafmangel, der ihr zu schaffen machte, sondern auch die emotionale Komponente. Ihre Weigerung schlafen zu wollen, raubte ihr fast den Verstand. Die letzte Nacht hatte sie schluchzend im Bett gelegen und einzig der Gedanke an Dorian ließ sie am folgenden Tag aufstehen.

Es war Montag und somit eine Woche her, seit dem sie Dorian das erste Mal getroffen hatte. Freudig erregt entschied sie sich trotz des tristen Wetters für ein Kleid und hoffte, dass sie heute endlich ihren Märchenkuss bekommen würde.

Der Schultag zog sich schleppend dahin, und mittlerweile merkten auch Christa und June der Freundin an, dass etwas nicht in Ordnung war. Sie hatten sich zwar bereits am Sonntag telefonisch über den Vorfall ausgetauscht, aber trotzdem nicht damit gerechnet, dass das Lillian vom Schlafen abhalten konnte. Denn trotz des fröhlichen Outfits sah Lillian müde und abgekämpft aus. Auf Nachfragen hin erzählte Lillian ein wenig über ihre Träume.

Am Anfang konnte ich mich gar nicht erinnern. Aber der Traum kommt jede Nacht wieder und wird jedes Mal intensiver. Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll.“ Und zum ersten Mal, seit die Geschichte begonnen hat, gab sie öffentlich zu, wie sehr ihr das alles zusetzte. Sie fing an zu weinen und Christa nahm sie in die Arme.

Deine Eltern wissen also auch noch nichts davon?“

Lillian schüttelte den Kopf und schniefte. „Was hätte ich ihnen denn sagen sollen? Dass ich einen bescheuerten Traum habe, in dem mich der Wind jagt und mir meine Liebe abverlangen will? Das ist doch totaler Blödsinn!“ Sie schnäuzte sich und versuchte, such wieder zu beruhigen. Bis zu dem Zeitpunkt war ihr noch nicht klar, wie fertig sie das alles machte. „Was soll ich denn machen? Ich dachte, es legt sich mit der Zeit. Vor allem mit Dorian fühlte sich alles so neu an und wir hatten so eine schöne Zeit. Ich hoffe, dass ich bald nur noch von ihm träumen werde!“

Christa und June waren ratlos. Mit Alpträumen kannten sie sich überhaupt nicht aus und sie konnten sich auch nicht erinnern, wann sie das letzte Mal unliebsame Alpträume hatten. Christa kam eine Idee. „Was ist, wenn du es mit einem Traumdoktor versuchst?“

Das ist doch bescheuert“, rief June dazwischen, ehe Christa ihre Idee ausführen konnte. „Das ist doch was für komische Leute, die an so einen übernatürlichen Kram glauben. Da kannst du dir auch gleich eine Überweisung für den Seelenklempner holen!“

Lillian schluchzte. Die beiden hatten genau das auf den Punkt gebracht, was ihr selbst schon längst klar war. Mit großer Wahrscheinlichkeit konnte es nur etwas Psychisches sein.

Bin ich vielleicht verrückt?“

June starrte sie entsetzt an. „Natürlich nicht! Rede dir das jetzt nicht ein. Wir finden eine Lösung, versprochen!“ Sie fasste Lillian an den Schultern und sah ihr fest in die Augen. „Heute Abend schläfst du bei mir, verstanden?“

Lillian ergab sich dankbar in ihr Schicksal. Vielleicht würde es ihr tatsächlich helfen, wenn sie nicht allein schlafen musste. Oder sie würde ruhiger damit umgehen und sich geborgener fühlen. Es war auf jeden Fall besser, als allein wach zu liegen und sich mit sich selbst beschäftigen zu müssen. Dieses ewige Nachdenken und Grübeln machten sie noch wahnsinnig!

Bis zum Abend standen allerdings noch einige Dinge auf der Agenda. Frau Edelius hatte ihrer Tochter das Versprechen abgerungen, dass diese sich nach der Schule im Fotoladen blicken ließ. Zwar gab sie Dorian keine Schuld an dem, was vorgefallen war, aber sie hatte es noch nicht aufgegeben, dass Lillian den neuen Mitarbeiter des Geschäfts kennenlernte. Kollegen ihrer Mom gehörten irgendwann fast zur Familie, warum also das Unausweichliche vor sich her schieben.

Mit Dorian würde sich Lillian erst am späten Nachmittag treffen. Die Schonfrist der ersten Woche war nun vorbei und die Hausaufgaben nahmen keine Rücksicht auf übernächtigte, verliebte Mädchen. Es blieb ihr also nichts anderes übrig, als noch einige Stunden auszuharren.

June schlug ihr vor, dass sie ihre Sachen einfach vor dem Date mit Dorian zusammenpackte und dann gleich mitnahm. So war nämlich auch gewährleistet, dass sich June alles brühwarm erzählen lassen konnte. Lillian hatte zwar den Verdacht, dass Christa dann ebenfalls ganz spontan vor der Tür stehen würde, aber darüber konnte sie sich Gedanken machen, wenn es so weit war.

An diesem Tag war es tatsächlich kühler als gedacht und Lillian beeilte sich mehr als sonst auf dem Weg. Der Schlafmangel trug sein Übriges dazu bei, dass ihr die nötigen Abwehrkräfte fehlten und sie fror. Sie war müde und abgekämpft und wollte eigentlich nur noch nach Hause. „Versprochen ist versprochen“ hörte sie jedoch ihre Mom in Gedanken sagen und so betrat Lillian völlig demotiviert und uninteressiert das Geschäft.

Zum Glück war kein Kunde anwesend und sie konnte direkt auf ihre Mom zugehen.

Hallo mein Schatz! Du siehst aber nicht gut aus.“ Sie umarmte ihre Tochter. „Und du bist ganz kalt. Du wirst doch nicht etwa krank, oder.“ Bevor Lillian ihr antworten konnte, wurde sie in den rückwärtigen Teil des Geschäfts bugsiert. „Hier muss doch irgendwo, ach, hier!“ Und ehe sie sich versah, saß Lillian in eine Decke gehüllt auf der Couch, die normalerweise für extravagante Shootings gedacht war. „Ich koch dir noch einen Tee, ja? Heute ist irgendwie gar nichts los.“ Auf dem Weg in die kleine Küchennische rief sie noch „Ash? Komm doch mal her, ich möchte dir meine Tochter vorstellen.“

Tat das gut, dachte Lillian gerade. Trotz ihrer 17 Jahre fühlte es sich immer toll an, wenn man sich einfach mal wieder in die schützenden Hände der Eltern begeben konnte. Diese Sicherheit nahm allerdings von einem Moment auf den anderen drastisch ab. Plötzlich stand der besagte Ash Horváth vor ihr und er war ihr kein bisschen unbekannt.

Es war der Typ aus der Gasse. Dieser merkwürdige Kerl war mir doch in die Gasse gefolgt. Aber was hatte er dort eigentlich gewollt? In den letzten Tagen war so viel passiert, dass Lillian mit keiner Silbe mehr an diese Begegnung gedacht hatte. Statt etwas zu sagen, starrte sie ihn mit leicht geöffnetem Mund ungläubig an. Ash schien es ebenfalls nicht an einem Gespräch gelegen zu sein. Stattdessen blickte er finster drein, auch wenn Lillian bezweifelte, dass er sich genauso unwohl fühlte, wie sie.

Dem gegenseitigen Anschweigen machte Frau Edelius ein Ende, als sie mit einer Tasse Tee aus der Küche kam und anfing die beiden miteinander bekannt zu machen.

Ash, das ist meine Tochter Lillian.“ Er nickte finster. „Lillian, das ist Ash Horváth, bis auf Weiteres unsere neue Aushilfe, da Millie ja im Schwangerschaftsurlaub ist. Ich dachte es wäre nett, wenn du nicht jede freie Minute für mich und das Geschäft opfern musst“, fügte sie noch hinzu als sie merkte, dass Lillian keine einzige Regung zeigte.

Lillian war unschlüssig. Was sollte sie auch von dem Typen halten. Erst folgte er ihr nachts in irgendwelche Gassen, faselte unverständliches Zeug und jetzt arbeitete er bei ihrer Mutter? So ganz zufällig konnte das ja wohl nicht sein!

Eins stand jedenfalls fest: Sie wollte nur noch nach Hause und in Ruhe nachdenken. Beziehungsweise wollte sie eigentlich nicht nachdenken, denn sowas passierte nicht, wenn sie Dorian traf. Bei ihm konnte sie sich sicher fühlen und ihm das ganze Denken überlassen.

Mit einem Blick auf Ash brachte sie ein kurz angebundenes „Hi“ heraus. An ihre Mom gewandt sagte sie: „Du, ich muss mich beeilen. Ich schlafe heute bei June, wir, äh, wollen lernen – Faust – du weißt schon. Vorher treffe ich mich noch mit Dorian. Wir sehen uns dann morgen, ja?!“ und gab ihr noch einen Kuss auf die Wange.

Frau Edelius blickte ihrer Tochter stirnrunzelnd hinterher. Dadurch konnte sie nicht sehen, dass sich Ash’s Gesichtsausdruck noch mehr verfinstert hatte und beinahe mörderisch funkelte; sonst hätte sie es mit der Angst zu tun bekommen.

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3. Kapitel

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