“Daydreams – true or false” #Kapitel 5

Ich weiß, ich weiß, ich hab euch ziemlich lang auf das nächste Kapitel warten lassen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben, daher nun endlich Kapitel 5 meiner Romantasy-Novelle „Daydreams“!

Kapitel 5

„Ich muss euch was erzählen“, flüsterte Lillian atemlos ihren beiden Freundinnen zu. Sie hatten gerade eine Doppelstunde Sport und somit den Schultag erfolgreich beendet. June hatte am Nachmittag noch einen Nachhilfeschüler und Christa musste wieder arbeiten, daher nutzte Lillian die Gelegenheit, um die Ereignisse des vorangegangenen Tages loszuwerden.

„Wie, er ist dir nachgelaufen und ihr habt den ganzen Abend miteinander verbracht?“ Christa war neidisch bis in die Haarspitzen. Sie konnte sich nicht erinnern, ob sie jemals so einen perfekten Nachmittag mit einem Jungen verbracht hatte.

„Ja. Und als er mich dann nach Hause gebracht hat…“ die Mädchen starrten sie mit offenem Mund an und warteten auf das unweigerliche Ereignis, „da hat er mich ganz lange angesehen und auf die Stirn geküsst.“

„Auf die Stirn geküsst?“ fragte June entgeistert. „Das kann doch nicht, du, ist irgendetwas passiert?“

„Nein, er hat dabei meine Wange gestreichelt. Und er freut sich auf Samstag, da wollen wir zusammen auf das Stadtfestfest. Ich glaube eher, dass er irgendwie altmodisch ist oder so. Als ob er noch auf den richtigen Moment wartet, versteht ihr?“ Lillian war in dieser Sache wesentlich unsicherer, als sie den beiden Glauben machen wollte. Eigentlich wusste sie nämlich überhaupt nicht, was sie von der Sache zu halten hatte, aber sie konnte sich auch nicht erinnern irgendetwas falsch gemacht zu haben.

June dachte einen Moment darüber nach, dann nickte sie. „Du, das ist gar nicht so unwahrscheinlich. Vielleicht ist er gar nicht der Sunnyboy, nachdem er aussieht. Er meinte ja selbst, dass er noch auf die Richtige warte. Es wäre tatsächlich möglich.“ Das, so dachte June, war genau was ein Mädchen ihres Alters tatsächlich wollte. Einen jungen Mann, der immer das Richtige tat, im richtigen Moment küsste, die richtigen Worte sagte. Wer hat nicht schon Nächte wachgelegen und sich vorgestellt, wie der Schulschwarm genau das tat. Das Lillian so jemanden gefunden hatte, machte sie zwar ein wenig eifersüchtig, aber das hieß wenigstens auch, dass man die Hoffnung noch nicht aufgeben musste!

Plötzlich schreckte Christa auf und schaute hektisch auf die Uhr. „Huch, Mädels, ich muss los. Wir sehen uns morgen! Und haltet mich auf dem Laufenden, wenn sich noch etwas ergibt!“ Schon flitzte Christa davon.

Die beiden riefen ihr noch ein „Bis Morgen!“ hinterher.

„Was hast du jetzt vor?“ fragte June.

„Ganz ehrlich? Ich versuche krampfhaft so cool zu bleiben, wie es geht. Ich habe gestern Abend noch ein paar Aufnahmen im Mondlicht gemacht und werde die erstmal in Ruhe entwickeln. Je mehr Ablenkung, desto besser!“

June nickte zufrieden. Lillian war schon immer die rationalere von ihnen gewesen. „Gut. Ich muss nämlich auch langsam los. Aber ruf mich an, wenn irgendwas ist. Wenn dir das Dach auf den Kopf fällt, dann komm vorbei. Vielleicht können Faust und ich dich auf andere Gedanken bringen!“

Lillian verdrehte die Augen. Der Unterrichtsstoff war das Letzte, was sie im Moment interessierte. Schweren Herzens trennte sie sich von ihrer Freundin und war wieder mit ihren  Gedanken allein. Der einzige Lichtblick schienen tatsächlich ihre Aufnahmen zu sein, vor allem ihr neues Projekt mit den gegensätzlichen Nachtbildern.

~*~

Die darauffolgenden Tage vergingen nur langsam.

Lillian gelang es den nächsten großen Schritt zu wagen und rief Dorian an, um ein Treffen für Samstagabend zu verabreden. Tagsüber ging es auf dem Stadtfest bunt her und die Straßen quollen über von Familien und Touristen. Wesentlich interessanter wurde es dann in den Abendstunden, als das Geschrei und die Clowns sich verzogen hatten und man in Ruhe die Buden abklappern konnte. Sie stellte es sich auf jeden Fall sehr romantisch vor, vielleicht gewann er an einer der Losbuden für sie ein Stofftier oder kaufte eine langstielige Rose und das Riesenrad durfte natürlich auch nicht fehlen. Kaum hatte sie das Telefon in der Hand, fing ihr Herz in bekanntem Tempo an zu pochen. Hoffentlich würde sie sich bald daran gewöhnen. Seine Stimme schien für sie aber Belohnung genug zu sein, und machte es umso einfacher zum Hörer zu greifen und endlich anzurufen. Er klang sanft und liebevoll, machte ein paar kleine Scherze und neckte sie. Nach dem Gespräch war Lillian ganz aufgewühlt, aber es war ein gutes Zeichen. Kuss hin oder her, er wollte immer noch mit ihr ausgehen, das zweite, oder war es erst das erste?, Date und sie hatte genügend Zeit, sich ein neues Poweroutfit zu überlegen.

Ihren Eltern hatte Lillian allerdings noch nichts erzählt und so kam es, dass ihre Mom einen ganz eigenen Plan verfolgte. An und für sich waren ihre Eltern ja immer etwas hinterher, wollten nicht, dass ihre Tochter sich mit dem falschen Jungen einließ oder zu früh zu viele Fehler machte. Dinge, die sie später bereute. Die zwei waren fürsorglich, aber eigentlich noch nicht bereit, ihre geliebte, einzige Tochter an jemanden zu verlieren, den sie nicht kannten. Dennoch sollte Lillian glücklich werden; was sich alles in einem gewissen Widerspruch befand. Über elterliche Logik konnte man wirklich nur den Kopf schütteln. Auf jeden Fall hatte diese Woche eine männliche Aushilfe bei ihrer Mom im Fotoladen angefangen, gerade mit der Schule fertig und dem entsprechend im richtigen Alter. Der junge Mann schien seine Arbeit gewissenhaft zu verrichten, war weder großspurig noch frech und hatte somit unbewusst innerhalb weniger Tage Frau Edelius um den kleinen Finger gewickelt. Während sie also versuchte Lillian gut zuzureden, ob sie sich einmal mit ihm treffen oder ob Lillian nicht am Montag nach der Schule rein zufällig mal im Laden vorbeischneien könnte, dachte Lillian nur an das bevorstehende Treffen mit Dorian.

Außerdem, so wie ihre Mom diesen Typen, Ash oder so, beschrieb, war er wohl ein recht langweiliges Exemplar der männlichen Spezies. Zuverlässig und sittsam waren nicht unbedingt die Eigenschaften, die Lillian, oder überhaupt ein Mädchen ihres Alters, vom Hocker rissen; zudem soll er ruhig und in sich gekehrt sein. Zugegeben, sie war auch ein etwas schüchternes und zurückhaltendes Mädchen, aber das hieß nicht, dass sie nicht auch anders konnte. Mit Dorian zum Beispiel blühte sie auf und war bestimmt auch zu einigen Abenteuern bereit. Was wollte sie dann mit so einem Langweiler?

Sie schob den Gedanken beiseite. Mittlerweile war nämlich besagter Samstag angebrochen und trotz aller Pläne suchte sie nun fieberhaft ihren Kleiderschrank und sämtliche Schubladen der Kommode nach etwas passendem durch.

Im September konnte es abends ganz schön frisch werden und wenn sie tatsächlich Riesenrad fahren wollten, wäre ein leichtes Sommerkleid nicht unbedingt die beste Wahl. Aber er sollte sie auch sexy finden, so viel war sicher. Immer wenn Lillian an das Stadtfest dachte, welches in ihrer Stadt traditionell eher einem Jahrmarkt glich, musste sie an den Film „Grease“ und das heiße Outfit von Olivia Newton-John denken. Als Kind schaute sie den Film oft mit ihrem Babysitter – immer wenn Eltern ausgegangen waren. Sie liebte diesen Film. Entsprechend Feuer und Flamme von ihren eigenen Jahrmarktsvorstellungen, kramte Lillian kurzerhand eine enge schwarze Leggins aus der untersten Schublade. Diese hatte sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr getragen. Dazu kombinierte sie ein luftiges Oberteil im Matrosenlook, mittelhohe Stiefeletten und eine Jeansjacke. Sich im Spiegel betrachtend fand sie sich ultracool. Sie fasste ihre Haare locker zusammen, schnappte sich noch zwei schwarze perlenförmige Ohrringe und fertig war das Ausgehoutfit. Die Hände in die Hüften gestemmt, grinste sie siegessicher ihr Spiegelbild an, als ihre Mom das Zimmer betrat.

„Oh, na du hast dich aber schick gemacht. Gehst du mit June und Christa auf das Stadtfest?“

Nun, die beiden würden sicherlich auch dort rumhängen, aber ihre Mom verdiente wohl trotzdem die Wahrheit.

„Ich treffe mich mit einem Jungen. Er heißt Dorian, ist 18 Jahre  und arbeitet seit kurzem in dem Buchladen, den wir immer so gerne ausplündern.“ Das müsste sie theoretisch überzeugen, dachte sich Lillian.

Frau Edelius überlegte. Eigentlich wollte sie ihre Tochter mit Ash Horváth bekannt machen, den hatte sie nämlich schon eingehend unter die Lupe genommen. Aber vielleicht ist dieser  Dorian, gar keine schlechte Wahl – immerhin arbeitete er in einem Buchladen. Sie grinste breit. „Na gut, aber vergiss nicht uns den künftigen Schwiegersohn noch vorzustellen, bevor ihr mit den Büchern durchbrennt!“

Lillian verdrehte die Augen. Mütter! „Ja klar, ich muss jetzt aber los. Wird sicher etwas später. Bye!“ Wenn sie es schnell genug zur Tür schaffte, konnte sie ihn noch abfangen!

„Um zwölf bist du zu Hause!?“

„Ja, ja. Hab dich lieb!“ rief Lillian, während sie die Treppe zum Flur hinunterrannte und dann war sie auch schon aus der Tür.

~*~

Doch vor ihrer Tür wartete noch niemand. Das verschaffte Lillian Zeit, um noch mal in ihrer großen beutelähnlichen Tasche zu kramen. Schlüssel – check, Geldbörse mit genügend Kleingeld – check, Kamera –

„Wartest du schon lange?“ Dorian hatte sie bereits entdeckt und sich von hinten angeschlichen.

„Huch. Puh, du hast mir ja einen Schrecken eingejagt! Hi,“ brachte Lillian noch heraus, dann versank sie in seinen Augen. Dorian umfasste sie leicht an der Hüfte und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Ganz flüchtig, dafür aber auch sehr nah an ihrem Mundwinkel. Ein leises Seufzen entfuhr ihr als ihr bewusst wurde, dass sie wieder Ausatmen konnte. Sie lächelte ihn an. Nun nicht mehr ganz so unsicher wie bei ihrem ersten Zusammenstoß. Daran könnte ich mich gewöhnen!

Er dachte wohl etwas ähnliches, denn er nahm prompt ihre Hand und sie bewegten sich, sorglos nur mit sich beschäftigt, Richtung Stadtmitte.

„Wow, das ist ja wirklich wie ein Jahrmarkt. Wie schafft es diese Kleinstadt ein derart großes Stadtfest zu veranstalten?“

Lillian freute sich, dass sie ihn beeindrucken konnte. Sie mochte ihre Heimat und würde nicht tauschen wollen. „Och, das hat sich so eingespielt. Eigentlich ist es so eine Art Wanderjahrmarkt. Und da wir im Umkreis keine Großstadt haben und alles rundherum eher etwas ländlich ist, könnten wir das wahrscheinlich gar nicht so groß aufziehen. Der Landkreis hat sich aber zusammengeschlossen und so teilen wir uns alle diesen Jahrmarkt. Er bleibt eine Woche, damit jeder die Möglichkeit hat, einmal hier her zu fahren. Dann zieht er weiter zu den Großstädten. Ich fand es immer ziemlich cool!“

Dorian nickte. Der Schauplatz war natürlich ideal, er konnte sich beglückwünschen. Scheinbar war er zur richtigen Zeit in diese Stadt gekommen.

„Na dann los, bevor die Zuckerwatte alle ist“, meinte er lachend und sie rannten los.

Derart ausgelassen hatte sich Lillian seit ihrer Kindheit nicht mehr gefühlt. Als ob ihr die ganze Welt offen stand und sie sich um nichts Sorgen machen musste. Dorian ließ sie sogar die komischen Träume vergessen, die ihr allmählich nicht nur den Schlaf, sondern auch die Kraft raubten. Heute war sie unbesiegbar!

Als sie bei den diversen Ständen ankamen, waren beide etwas aus der Puste. Lachend um die Wette laufen konnte selbst die jugendliche Lunge nicht umstandslos verkraften. Nach Atem ringend torkelten sie sich gegenseitig in die Rippen stoßend zum Zuckerwattestand. Leider war die Schlange so lang, wie sie befürchtet hatten.

„Sollen wir warten? Dann bekommst du eine Stange mit rosa Zuckerwatte!?

„Och nö“ meinte Lillian gelangweilt. „Rosa ist eigentlich auch gar nicht meine Farbe. Aber guck mal dort drüben. Da gibt’s blaue Slushies.“ Das Zeug besteht zwar nur aus gecrushtem Eis und Zucker, und man musste aufpassen, dass man nicht zu viel davon trank, weil sonst der Kopf wehtat, aber es schmeckte großartig. Prinzipiell sprach also überhaupt nichts dafür, dass es das neue In-Getränk unter den Jugendlichen war, aber seit wann handelte man in diesem Alter logisch.

Die Schlange war zwar auch nicht kürzer als bei der Zuckerwatte, aber sie nutzten die Zeit um wieder zu Atem zu kommen und sahen sich neugierig um.

„Du kennst dich doch hier aus. Warum verdienst du dir dein Slushie nicht als Reiseführerin und zeigst mir die örtlichen Attraktionen?“ Dabei nahm Dorian einen etwas bornierten Gesichtsausdruck an, als sei er ein Tourist, dem man etwas Tolles bieten musste, weil er sonst sein Geld zurück verlangte.

„Na pass auf. Stehst du eher auf Autoscooter oder auf die Geisterbahn? Wir müssen ja nicht zu viel Geld ausgeben. Es gibt auch noch ein Spiegelkabinett, aber das ist eigentlich ziemlich unspektakulär. Dann würde ich noch eine Kleinigkeit essen und zum Schluss, wenn es richtig dunkel ist, auf das Riesenrad. Was hältst du davon?“

Dorian überlegte sich seine Optionen. Eigentlich wäre Autoscooter ja schon männlicher und er war auf jeden Fall ein Adrenalinjunkie. Aber in der Geisterbahn konnte man sich näher kommen. Das Spiegelkabinett hatte sie ja schon ausgeschlossen, obwohl er sich dort wahrscheinlich am Wohlsten fühlen würde. „Okay, dann lass uns doch mit der Geisterbahn fahren. Ist die wenigstens gruselig oder eher nur billig?“

„Geht so würde ich sagen. Also ich erschreck mich dort nicht mehr, aber es hat ja bekanntlich etwas Romantisches“ rutschte ihr heraus und schon wurde ihr wieder ganz heiß. Sie hatte sich nämlich vorgestellt, wie sie sich ganz eng neben Dorian pressen würde, sein Arm um ihre Schultern, ihre rechte Hand auf seinem Knie…

Dorian grinste breit. Er dachte anscheinend dasselbe. „Abgemacht!“

Die Schlange bei der Geisterbahn war nicht lang, aber sie konnten in aller Ruhe ihre Slushies vertilgen. Lillian war danach etwas benommen und presste sich die Hände an die Stirn in der Hoffnung, dass ihr Kopf dadurch wieder wärmer wurde. Dorian grinste sie frech an, aber eine Slushie-Überdosis fanden die Betroffenen selten witzig. Um sie wieder zu besänftigen nahm Dorian ihre rechte Hand und führte sie in den Zweierwagen. Dort legte er besitzergreifend seine linke um ihre Schultern und zog sie eng an sich. Ihr ganzer Körper vibrierte schon bevor die Fahrt überhaupt anfing. Es war eine ganz normale Geisterbahn, hier und dort ein wenig Lichtflimmern, angeleuchtete Axtmörder und grüne Goblins mit blutverschmierten Zähnen, ein Vampir stieg aus einem Sarg und eine riesige fette Spinne bewegte sich über die linke Höhlenwand. Spinnen mochte Lillian ganz und gar nicht und so drückte sie sich noch enger an Dorian. Dieser beugte sich gerade zu ihr, als er plötzlich von rechts angegriffen wurde. Eine Hand schoss hervor, packte ihn am Hemd und versuchte ihn aus den Wagen zu zerren. Lillian konnte nichts erkennen, merkte aber, dass Dorian scheinbar in einen Kampf verwickelt wurde.

„Lass mich in Ruhe, was willst du?“ schrie er dem Angreifer entgegen.

„Du lernst es einfach nicht, oder? Du Mistkerl!“ knurrte der Fremde ziemlich wütend. Lillian stellte sich vor, wie er dabei irre schaute und mit den Zähnen fletschte.

„Hau ab Mann!“ Dorian stieß den Angreifer zur Seite, so dass er gegen die Wand knallte. Dort rutschte er scheinbar zu Boden, aber der Wagen fuhr weiter, so dass sie ihn nicht mehr sehen konnte. Das alles hatte nur wenige Sekunden gedauert und Lillian hatte unwillkürlich den Atem angehalten. Das Blut rauschte in ihren Ohren. „Dorian!? Ist dir was passiert?“ Dabei beugte sie sich zu ihm hinüber und nahm sein Gesicht in beide Hände. Was sie dabei entdeckte, erschreckte sie zunächst. Dorians Augen hatten ein mörderisches Funkeln und sie stieß wohl einen überraschten Ton aus. Im nächsten Moment war jedoch alles wieder beim Alten.

„Es ist nichts. Dieser Irre… Mir geht es gut, es fehlt nur ein Hemdknopf. Ich glaube, er sieht schlimmer aus als ich!“ und grinste dabei verwegen.

Lillian wurde das Gefühl nicht los, dass er sie nur beruhigen wollte. „Nichts ist okay. Ich weiß nicht, ob du dabei warst, aber mir war so, als ob du gerade angegriffen wurdest. Wir müssen die Polizei benachrichtigen, dass sich hier ein Irrer rumtreibt“. Dabei krallten sich ihre Finger in seinen Oberarm.

Er überlegte kurz. Polizei war etwas, was er bisher immer vermieden hatte. Aber vielleicht half es ja, das Problem ein für allemal zu beseitigen. „Gut, du hast wahrscheinlich Recht. Ich muss in diesem Fall echt nicht den Helden spielen. Lass uns dann gleich einen Servicemenschen suchen, damit sie die Bahn abstellen!“

Als sie endlich draußen ankamen, war es fast eine Erlösung. Lillian war immer noch ziemlich angespannt, konnte sich aber endlich davon überzeugen, dass mit Dorian alles in Ordnung war. Sie sprachen zunächst mit dem Kartenverkäufer, der wiederum seinen Chef anrief und erst dann wurde die Polizei alarmiert. Als diese endlich kam, mussten sich die beiden einige unbequeme Fragen gefallen lassen. Schließlich passierten in der Geisterbahn so einige seltsame Dinge, in der Regel waren es jedoch nur die Teenager, die sich gegenseitig Streiche spielten. Das halb zerrissene Hemd und die Panik in Lillians Augen verhalfen ihnen allerdings zu einer gewissen Glaubwürdigkeit. Natürlich mussten dann auch noch ihre Eltern informiert werden, da sie noch nicht volljährig war.

Der Abend schien überhaupt kein Ende nehmen zu wollen und bis sich Lillian endlich von Dorian verabschiedete und mit ihren Eltern nach Hause fuhr, war es schon weit nach Mitternacht. Lillian war hundemüde. Sie hatte seit Tagen kaum geschlafen, die Angst vor dem Traum hielt sie so lange wach, bis sie irgendwann vor Erschöpfung einschlief, was jedoch nie wirklich erholsam war. Weil ihre Eltern sie wie ein Schäfchen behüteten, gelang es ihr lediglich Dorian zu versprechen, ihn am nächsten Tag anzurufen und dann wurde sie auch schon in das Auto bugsiert.

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Hast du die vorherigen Kapitel verpasst? –> hier gehts lang:

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

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