“Daydreams – true or false” #Kapitel 3

Es ist wieder Freitag und so kommt hier nun trotz meiner Abwesenheit Kapitel 3 aus meinem Romantasy-Novel!

Kapitel 3

Den Rest des Tages verbrachte Lillian wie in Trance. Hausaufgaben hatten sie zum Glück noch keine aufbekommen, in jedem Fach gab es lediglich die obligatorische Einführung in ein neues Thema und es wurden hier und da Ferienerlebnisse ausgetauscht. Für Deutsch müsste sie demnächst anfangen Faust zu lesen, aber konzentrieren konnte sie sich nicht wirklich. Nachdem sie mechanisch ihr Schulzeug umgepackt und ihrer Mom beim Kochen und Aufräumen geholfen hatte, saß sie in ihrem Zimmer und schaute aus dem Fenster. Wirklich hungrig war sie nicht, aber nach ein wenig Smalltalk mit ihren Eltern über June, Christa und den kommenden Lernstoff, hatten diese keinen Verdacht geschöpft. Was gut war. Lillian wollte nämlich mit niemandem reden. June hatte den ganzen Nachhauseweg über gestichelt und das ging ihr dann doch ziemlich auf die Nerven. Sie hatte diesen Dorian schließlich gerade erst kennengelernt und mit ihm vielleicht zwei Sätze gewechselt und wollte daraus nicht gleich ein großes Ding machen. Und wenn sie an ihr Rumstottern dachte, wurde ihr Gesicht gleich wieder ganz heiß. Scheinbar hatte sie gar keine Kontrolle mehr über ihre Gesichtsfarbe. Wie peinlich, dachte sich Lillian, er muss mich doch für eine totale Idiotin halten.

Daher überlegte sie, ob es wirklich klug wäre, am nächsten Tag wieder zum Buchladen zu gehen. Schon allein bei dem Gedanken ging ihre Herzfrequenz wieder nach oben. So zog sich das schon den ganzen Abend hin und sie war bisher zu keinem Entschluss gekommen. Immer wieder spielte sich die Szene im Buchladen wie ein Film vor ihren Augen ab. Wie in Zeitlupe drehte sich Dorian jedes Mal zu ihr und grinste, dass sich ihr Magen zusammenzog.

Und da es auch irgendwie nichts gab, was Lillian tatsächlich fesseln konnte, versuchte sie es letztlich mit ein paar Gymnastikübungen, einer heißen Dusche und schnappte sich anschließend eins ihrer Lieblingsbücher: „Stolz und Vorurteil“. Sie las so lange, bis ihr endlich die Augen zufielen.

~*~

Wenig später erwachte die Träumerin an einem seltsamen, aber dennoch mittlerweile irgendwie bekannten Ort. Sie stand inmitten verschiedener Hecken und begann einem der Wege zu folgen, die aus diesem Labyrinth herausführen könnten. Während sie zunächst links, dann rechts, wieder links, geradeaus ging und einen Weg zwischen den meterhohen Hecken suchte, wurde es um sie herum immer dunkler. Der Wind flüsterte durch die Blätter. „Liebst du mich?“ Panisch schaute sich die Träumerin nach allen Seiten um. Aber da war weit und breit nichts als eine Wand aus Grün.

„Liebst du mich?“ raunte es wieder, und verwandelte sich in einen immer lauter werdenden Gesang. Die Träumerin begann zu rennen. Ein Zweig peitschte ihr ins Gesicht. Sie stolperte über eine Wurzel, rappelte sich aber sogleich wieder auf. Links, links, geradeaus, rechts, links, links. Alles verdichtete sich zu einem einzigen Rauschen. Immer weiter laufend erspähte sie irgendwann eine Öffnung. Die Hecken endeten links und rechts und vor ihr war ein freies Feld. Nein, ein Sumpf war das, eine dicke faulige Suppe. Sie blieb stehen und überlegte fieberhaft, wie sie weiter vorgehen sollte, ihr Verstand rotierte. Das Rauschen hinter ihr wurde stetig lauter; wie bei einem Orkan raschelten die Blätter und als sie sich umdrehte, sah sie, wie ein Wirbelsturm aus Blättern und Zweigen auf sie zukam. Vor ihr der seltsame Sumpf, hinter ihr der Lärm des Orkans. Ehe sie noch einen klaren Gedanken fassen konnte, wurde sie von den Luftströmen erfasst und nach oben gerissen. Sie bekam keine Luft mehr, schrie aber noch ihre letzten Atemzüge hinaus in die Nacht.

Schreiend wachte sie auf. Sie konnte sich an nichts erinnern, hatte aber das Gefühl, dass jene drei Worte, dieser eine Satz aus ihren vorherigen Träumen, sie auch weiterhin verfolgten. Wie ein Monster, das seine Klauen langsam nach ihr ausstreckte. In dem Moment, als ihr dies allmählich klar wurde, klopfte es an ihre Tür. Vor Schreck quiekte sie.

Es war ihre Mom, die alarmiert in der Tür stand. Als sie ihre schwer atmende Tochter sah, eilte sie zum Bett. „Du bist ja schweißnass! Ist alles in Ordnung mein Schatz? Bist du krank, hast du schlecht geträumt?“ Die Frage, ob alles in Ordnung war, hörte Lillian in letzter Zeit irgendwie öfter. Zu oft für ihren Geschmack. Langsam fragte sie sich, ob mit ihr wirklich etwas nicht stimmte.

Mittlerweile kannte Lillian das Spiel ja ganz gut, schließlich ging diese Traumgeschichte schon eine Weile. Sie atmete gleichmäßig tief ein und aus und versuchte in aller Ruhe den Kopf klar zu kriegen. Da sich ihre Atmung allmählich normalisierte und sie sich in der schützenden Umarmung ihrer Mom befand, konnte sich Lillian auch soweit beruhigen, um Entwarnung zu geben.

„Ich hab nur schlecht geträumt, ziemlich schlecht. Jetzt geht es wieder, danke!“ presste sie heraus.

„Was hast du denn geträumt? Ist etwas passiert, was dich beunruhigt hat? Du bist ja fix und fertig!“

Lillian schüttelte nur erschöpft den Kopf. „Ich weiß es nicht. Irgendwie kann ich mich gar nicht erinnern, ich weiß nur, das es schlimm war und ich fürchterliche Angst hatte.“ Ihre Mom sah sie weiterhin fragend an. Wahrscheinlich überlegte sie, ob ihre Tochter ein Geheimnis vor ihr hatte. „Ist schon gut, wirklich. Mir geht es schon viel besser. Geh wieder ins Bett und mach dir keine Sorgen. Es wird nicht wieder vorkommen, versprochen!“ meinte sie mit gespielter Zuversicht. Als sie die Sorgenfalten im Gesicht ihrer Mom entdeckte, entschied sie sich, dass ihre Eltern nichts von den vergangenen Nächten zu wissen brauchten. Die beiden haben schon genug um die Ohren, da muss ich nichts von irgendwelchen  wirren Träumen erzählen. Vielleicht sollte ich aber doch mal mit Christa und June darüber reden, weil es mittlerweile echt etwas merkwürdig wurde.

Bei dem Gedanken an die Freundinnen und den kommenden Tag musste Lillian unweigerlich auch an Dorian denken und bekam eine Gänsehaut. Dieser Typ geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf, das konnte doch nicht wahr sein! Leicht frustriert, aber auch freudig erregt, legte sie sich wieder hin und schloss die Augen. In Gedanken bei Dorian konnte sie wider Erwarten die restliche Nacht durchschlafen.

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Hast du die vorherigen Kapitel verpasst? –> hier gehts lang:

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2. Kapitel

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